XV. Ueber Thomas a Kempis, als Verfasser derBücher von der Nachfolge Christi.0Wie es gekommen ist, daß unserm Thomas a Kempisdie Ehre der Verfasser des Werks von der Nachfolge Christizu sein, hat abgesprochen werden wollen, wird keinen be-fremden, der sich etwas näher darnach umsieht. Ueberhauptwar es keine Seltenheit, daß Abschreiber, wenn sie auf ihrenOriginalien keine Verfasser angegeben fanden, ihr Werk ir-gend einem Gelehrten zuschrieben, den sie für den Verfasseranfahen, oder der bet ihrer Umgebung dafür galt. Wieder-um geschah es oft, daß verschiedene Werke von verschiedenenVerfassern, von welchen nur der eine oder andere namhaftgemacht war, zusammen gebunden wurden!) und wenn nunein Abschreiber Abschrift davon nahm, so theilte er die na-menlosen Werke den Verfassern der benannten zu. Hierbeiwurde meistens unkritisch, oft gar willkürlich zu Werk gegan-gen. Dieſe Schickſale haben auch die Werke des Thomasa Kempis betroffen. Daß er ein fleißiger Abschreiber war,ist bekannt. In seiner Demuth war es ihm nicht eingefal-len, seinen Namen dadurch, daß er sich zum Verfasser seinerWerke bekannte, unsterblich zu machen. Seine eigenen Werkekonnte er eben so gut abschreiben, als fremde. So wie ersich nun als Abschreiber nicht immer namhaft machte, so1) Dies hatte zur Folge, daß Werke von verschiedenen Verfassernbäufig auch zusammen abgedruckt wurden, wie es unter andern mitden Büchern de imitatione christi und de meditatione cordis derFall ist. Es ist sicher, daß letzteres nicht von Thomas a Kempis her-rührt. Siehe Malou récherches u. s. w. Seite 208. Der Verfasserdieses hatte im Jahre 1823 ein altes Druckwerk vom Jahre 1487 (ohneOrt) dem Herrn Antiquar Heberle sel. in Köln angehörig, 184 Blätterstark und 6 Registerblätter in 120 mit breitem Rande und dem Titel:Tractatus de ymitacione cristi cum tractatulo de meditacione cordis.
Druckschrift
Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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