IV. Gerard Groot, seine Schicksale und Meinungenund ſein Wirken.-00-Einige Jahre früher als Thomas hatte sein ältererBruder Johann sich nach Deventer begeben, wo er unter dieSchüler des Gerard Groot aufgenommen wurde. DieserGerard Groot war der Sohn angesehener und begüterterEltern in jener Stadt. Nachdem für die erste Ausbildungseiner Jugend durch Erlernung der lateinischen Sprache undder Anfangsgründe der andern Wissenschaften in seiner Va-terstadt gesorgt worden wart) bezog er als ein fünfzehnjähri-ger Jüngling die Hochschule zu Paris.?) Hier verweilte er dreiJahre und kaum achtzehn Jahre alt (1358) erlaügte er den akade-mischen Grad eines Magister Artium, der dem eines Dok-tors der Philosophie in unserer Zeit entspricht. Nicht ebenaus Neigung zum Kirchendienst wählte er den geistlichenStand, sondern deswegen weil dieser der einzige war, derdamals den Gelehrten glänzende Aussichten bot. Es währtenicht lange, daß er mehrere zum Theil ansehnliche Pfründenerhielt, unter andern ein Canonicat an einer der Stifts-kirchen in Utrecht und eins an der Münsterkirche in Aachen.Obgleich er nun zu den Dienern der Kirche gehörte, warseine Lebensweise von der Jener, die sich Weltliche nennen,nicht im Mindesten verschieden. Er hielt sich bald in Köln,bald in Aachen, bald in Utrecht auf, brachte den Ertrag sei-ner Pfründen in Wohlleben durch und bediente sich seinerTalente und Kenntnisse nur, um bewundert zu werden. Beieinem öffentlichen Schauspiel in Köln soll er zuerst auf den1) vita ger. magni C. I. unter den Werken des Thomas a Kempisund Chr. mont. S. Agn p. 148.*) vita th. a Kempis auth. Jod Badio C. VIII. 2.*) Eccl. Aquensis. vita ger. mag. c. 2.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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