Druckschrift 
Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

I. Zustand Deutschlands, insbesondere der unterenRheingegend, in der Mitte und gegen das Endedes vierzehnten Jahrhunderts.eSo wie Niemand im Stande ist, sich etwas Leibhaftesohne den Raum, worin es sich befindet, und ohne die Zeit,in welcher es sein Dasein verbringt, zu denken, so könnenwir uns von keinem Menschen, er möge hienieden noch imsterblichen Fleische oder bloß in unserm Andenken verweilen,ein richtiges Bild machen, wenn uns nicht zugleich von seinerUmgebung und allen Verhältnissen, worin er sich noch befin-det oder einstens befand, eine möglichst deutliche Vorstellun-an die Hand gegeben ist. Wenngleich nun auch Thomas aKempis, dessen Lebensbeschreibung wir uns hier zur Aufgabegestellt haben, in die Ereignisse seiner Zeit nicht eingriff, soist doch zur Orientirung ein Rückblick auf dieselbe unerläßlich.Er, wie jeder andere Sterbliche, wurde das, was er nackden auf ihn wirkenden Einflüssen werden konnte und mußte.Zu diesen Einflüssen aber gehören nicht nur die, welche un-mittelbar auf den Menschen selbst wirken, sondern auch die,von denen er bloß Nachricht erhielt, oder die, welche nurmit seiner Umgebung in Beziehung stehen.Unser Thomas kam gegen den Anfang des vorletztenDecenniums des vierzehnten Jahrhunderts in einem unansehn-lichen, wenig bekannten Städtchen am Niederrhein einKind geringer Eltern zur Welt. Als Knabe wurde er indie Genossenschaft der frommen Schreibbrüder zu Deventeraufgenommen. Unter ihnen, zum Theil von ihnen, erhielt erseine wissenschaftliche Bildung und religiöse Richtung. AlsMitglied des Ordens vom heil. Augustinus erlangte er imKloster auf dem St. Agneten=Berg bei Zwoll ein sehr hohesAlter. Hier verlebte er in seinem stillen Berufe meistens