164Selbstverläugnung, 9) von der Demuth, 10) von dem gutenund friedfertigen Wandel, 11) das Leben eines guten Klo-stergeistlichen, 12) geistliche Lieder (Cantica spiritualia).Die beiden letzten Werkchen sind rhytmisch gehalten. DerStoff aller Werke des zweiten Bandes ist ascetisch. Vonvielen z. B. dem Lehrbuch der Jüngeren, dem Novizenge-spräch u. s. w. zeigt der Titel ihren Zweck an, nämlich Her-anbildung der jungen Geistlichen zum Klosterleben. Andereschrieb der Verfasser zu seinem eigenen Trost und zu eigenerErbauung. Hier begegnen uns nun gleich schon einige Werke,die bisher dem Thomas a Kempis zugeschrieben wurden,wogegen uns aber nicht unerhebliche Bedenken aufgestoßensind. Wir meinen das „Soliloquium animae,“ die de „tribustabernaculis, de elevatione mentis und de vera compunc-tione.“ Ein anderer als Thomas muß ihr Verfasser sein.Ob sie alle von demselben sind? Einiges spricht dafür,einiges auch wohl dagegen. Doch gehört eine nähere Un-tersuchung darüber nicht hierher. Wer aber diese Werkeverfaßt hat, durchlebte ganz andere Seelenzustände, als esbei Thomas a Kempis möglich gewesen ist.!) Er ist viel-seitiger gebildet, weiß um den Zweck der Schöpfung und hatKunde von andern speziellen Lehren der Philosophie undTheologie. Seine Latinität ist eine bessere und seine Arbei-ten sind systematisch durchdacht. Von der Armuth und ihremtreuen Anbeter dem h. Franziskus spricht er so, daß keinZweifel ist, er sei mit der himmlisch erhabenen Stelle desDante, die das Verhältniß jenes Heiligen zu seiner Geistes-braut so schön beschreibt?), vertraut bekannt gewesen. Einauffallender Unterschied zwischen ihm und Thomas zeigt sichschon an der äußern Gestalt der Arbeit darin, daß diese beiihm an vielen Stellen nichts als eine zusammengefügte Kettevon lauter Schrifttexten ist, woher es denn oft kommt, daßdie Worte der h. Schrift zwar den Gedanken des Verfassersverständlich wiedergeben, aber häufig in einem ganz andernSinn gebraucht werden, als sie in der betreffenden Bibel-stelle vorkommen. In den ächten Schriften des Thomas aKempis ist dies nie der Fall. Wo er Schrifttexte anführt,1) Siehe Seite 141 ff.Paradiso XI.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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