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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
Entstehung
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151Alles, womit er in Berührung kam, eine Erinnerung an dieunsichtbare Welt, ein Mittel, zu seiner Bestimmung zu ge-langen. Ein Ascet von der entgegengesetzten Sorte siehtseine Bücher nicht, ist ein Fremdling in seiner Zelle, kenntkeinen Menschen, weder gute noch böse. Ein feierlicher Got-tesdienst macht auf ihn nicht mehr Eindruck, als ein tagtäg-lich wiederkehrender kirchlicher Brauch. Er nimmt wedervon stummen noch von lauten Zeugen Gottes Belehrung anund schöpfet seine ganze Weisheit aus seiner eigenen Seele.Thomas a Kempis hingegen stellt sich als einen ganz ande-ren dar. An seine Bücher, seine Zelle, die Kirche und ihrGeräth, seine Beschäftigung, seine Erlebnisse, an Gesehenesund Gehörtes, an seine Bekannte und an die, von welchener durch andere Kunde erhielt, weiß er allerlei Betrachtun-gen anzuknüpfen und diese sich und Anderen erbaulich zumachen. Von seiner Unbefangenheit nur ein paar Beispiele.Unbedenklich schildert er seinen Novizen den reizenden Kopf-putz und den prachtvollen Anzug der h. Agnes, ohne zu be-fürchten, dadurch ihre jugendliche Lüsternheit zu wecken.Was eine edele Dame ihm über die Standeswahl ihres ein-zigen Sohnes und das traurige Geschick eines Bekanntenerzählt hatte, gibt er nicht nur seinen Lehrjüngern wieder,sondern er beruft sich noch darauf, es aus ihrem eigenenMunde und zwar bei Tiſch gehört zu haben.) So waswäre einem Asceten vom ersten Schlag nicht eingefallen.Beinahe ließe sich auf Thomas und die Gemüthsstim-mung, worin seine Werke verfaßt sind, das anwenden, wasein neuerer Schriftsteller!) von der ihm gleichzeitigen KölnerMalerschule sagt.Ueber ihre Gebilde ist der Friede Got-tes ausgegossen. In ihr ist die Welt mit Gott versöhntund in Gott selig, daher überall Ruhe, Befriedigung, Hei-terkeit und Offenheit. Spröde und harte Charaktere findenkeinen Platz in dieſem Paradieſe Die Verſöhnung derWelt schließt sich gegen die Welt nicht ab, sondern lebt,wirkt und leidet in dieser als der Trägerin des irdischen1) III. Serm. ad Nov. 7 und 8.2) Dial. Nov. Cap. VII.3) Et hoc mihi in mensa sua recitavit. §. 2 ibid.) Dursch, Aesthetik der christlichen Kunst des Mittelalters. Tü-bingen 1854.