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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
Entstehung
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149fragt es sich, welcher Klasse der Asceten Thomas a Kempiszuzuweisen ist, den Stillen, den Gewaltigen oder den Ein-geübten. Obgleich sein Jugendleben mit dem der letzterenmanche Aehnlichkeit bietet, verbietet uns doch die Genialität,die aus seinen Schriften hervorleuchtet, ihn denselben beizu-zählen. Den Eingeübten geht immer die natürliche Leben-digkeit, meistens auch die Heiterkeit ab. Beides wird beiThomas a Kempis nicht vermißt. Zu den Gewaltigen, wiewir sie genannt haben, die erst nach großen und vielen An-strengungen sich ihrer Sehnsucht nach dem Höheren bewußtwurden, kann er vermöge seiner Antecedentien nicht gehörthaben. Denn mit dem, was man die böse Welt nennt, ister nie in Berührung gekommen. Seine Erziehung, seineUmgebung, seine Beschäftigung mußten sein reines Herz inder von seinem Berufe angewiesenen Richtung halten undforttreiben. Ihm ist also der sogenannte Bußkampf unbe-kannt geblieben, weil er nie ein Bedürfniß gehabt hat, den-selben durchzufechten. Eine natürliche Folge hievon war, daßer über die traurigen Wirkungen der Erbsünde, die Beängstigungen eines mit schwerer Sündenschuld beladenen Ge-wissens, die Nothwendigkeit der Buße, insofern sie sich mitSündenhaß identificirt, wenig zu sagen wissen konnte. Selbstdie dem Mittelalter so geläufige grelle Ausmalung der Höl-lenstrafen kommt bei ihm nicht vor.) Wo er auf dies undähnliches zu sprechen kommt, sind seine Worte nur Gemein-plätze oder er geht bald, leicht anstreifend, darüber hinweg.Auffallend mag es Manchem sein, daß er, so viel seine nach-gelassenen Schriften bezeugen, nirgend für nöthig fand, seineNovizen auf die ihnen durch die h. Taufe zu Theil gewor-dene Gnade hinzuweisen oder auch sie mit der Art und Weiseein gründliches Sündenbekenntniß abzulegen, bekannt zu ma-chen. Nach dem Bemerkten erklärt sich dies von selbst. Hie-her gehört auch das noch, daß er bei dem Thema über dieGewissenserforschung, auf welche er, und das mit Recht, einenhohen Werth legte, fast nur Fehler aber keine Sünden zu4) S. z. B. I. Serm. ad nov. V. § 1 VI. §. 3 und 4II. Serm. IX. §. 3. Welch ein Unterschied gegen die SchilderungenDantes (Div. Com. inf.) oder des Dionysius Rickel de quatuor no-vissimis!