148stimmen mußte, um Andere in seine Stimmung zu versetzen.Ob er just das rechte Maß trifft und einhält, wird von de-nen, zu welchen er spricht, nicht nachgerechnet. In seinenErmahnungen an die Novizen gleicht er einem väterlichenFreunde, der weiß, daß die Form seiner Worte nicht aufdie Wage gelegt wird und der auf eine edele menschenwür-dige Weise dafür hält, er erzeige seinen Jüngern einen Ge-fallen damit, wenn er zu ihnen in dem Tone redet, dessensich zu bedienen sie angeleitet wurden.Nunmehr sind wir da angelangt, wo es sich gilt, dieascetische Geistesrichtung des Thomas a Kempis, insbeson-dere ihre genetische Seite in Betrachtung zu nehmen. Beider Frage über die Autorschaft gewisser ihm zugeschriebenenWerke iſt dies Moment von noch viel bedeutenderem Ge-wicht, als das bisher Gesagte. Der Zug nach dem Höhe-ren, dem Ewigen, dem Unvergänglichen iſt dem Menſchen-herzen angeboren. Ihn zum möglichst klaren Bewußtsein zubringen und diesem Bewußtsein den möglichst kräftigen Ein-fluß auf das Leben zu verschaffen, ist von jeher die Aufgabeder Asceten gewesen. Diese sind in Bezug auf die Art undWeiſe, wie ſie zu dieſem Bewußtſein ihres Strebens gelangtsind, von einer dreifachen Art. Entweder folgte der Menschjenem ihm angeborenen Zuge oder nicht. In letzterem Fallehandelte er ihm zuwider oder er verhielt sich gegen densel-ben gleichgültig. Bei den ersten, den Glücklichen, die sichvon ihrem Herzen dahin ziehen ließen, wohin es eine ihmangeborene Sehnsucht hatte, entwickelte sich ihr Bewußtseinauf eine zugleich selbstthätige und naturgemäße Weise, durchallmälige Ausbildung der ihnen einwohnenden Fähigkeiten.Bei den Andern, die anfänglich zwar jenem Zuge wider-strebten, dann aber durch glückliche von der Vorsehung her-beigeführte Begegnisse geweckt, wieder einlenkten, konnte dasBewußtsein erst nach gewaltigen Kämpfen zum Durchbruchkommen. Bei den letzten endlich, den von Haus aus Gleich-gültigen, ist es so zu sagen künstlich durch Anleitung, Be-lehrung, Angewöhnung geweckt worden. Zu diesen könnenbeispielshalber die sogenannten Oblaten in den Klöstern gerechnet werden, Menschen, die als Kinder einer frommenAnstalt übergeben wurden, um zum beschaulichen Leben, imeigentlichsten Sinne des Wortes gebildet zu werden. Nun
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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