147bauliches anzuknüpfen. Ueber die Andacht beim Gesangeund was sonst dabei zu beobachten ist, gibt er seinen Novi-zen mancherlei Lehre und Ermahnung. Kirchengesang istihm ein Hauptbestandtheil des Gottesdienstes und zur Ver-herrlichung eines hohen Festes ist ihm hoher, kräftiger, regel-rechter und melodischer Gesang ein nothwendiges Erforder-niß.!) Er kennt den Unterschied zwischen Cantus und Dis-cantus, und zu einigen von ihm verfaßten?) frommen Liederncomponirte er sogar die Melodieen. 3) Was diese Lieder be-trifft, empfehlen sie sich durch ihren, kindliche Andacht ath-menden Inhalt. Der Form nach unterscheiden sie sich vonungebundener Rede nur durch ein gewisses Metrum, ihreReime und Alliterationen. Dies führt uns auf seinen Styl.Auf einige Eigenthümlichkeiten seiner Ausdrucksweise werdenwir bei der Frage, ob gewisse ihm zugeschriebene Werkewirklich von ihm sind, unten zurückkommen. Hier nurdies. Klassizität des Ausdrucks ist bei ihm nicht zu suchen.Auch ist seine Redeweise, besonders dann, wenn er seineNovizen unterrichtet, bisweilen etwas schwulstig. Doch ge-bührt ihm der Ruhm, daß er weder durch Barbarismen*)verletzt, noch Mühe macht, verstanden zu werden. SeineSprache hat etwas natürliches, ist weit entfernt von derlangweiligen Gelecktheit der etwas späteren Humanisten.In seinen Erzählungen gleicht er einem ehrlichen schlichtenLandmann, der seine Sache mit hellen Augen und einemkerngesunden Verstand sich angesehen hatte. Sind seine Aus-drücke auch bisweilen etwas barock, der Zuhörer verstehtihn nicht nur, sondern begreift auch jedesmal, daß eben dergebrauchte Ausdruck der treffendste war und erschwingt sichder Erzähler auch wohl einmal auf eine Höhe, die für ihnunpassend scheint, man fühlt es, daß er den Ton etwas auf-1) I. Serm. ad nov. VI §. 8. — III ibid. IX §. 7.— Hortros. XVIII § 1. — Discipl. claustr. VIII. — Doctr. juv. VIII undIX § 3.— Vita flor. Cap. XI §. 2 u. s. w.) Vall. III. XXI § 4.3) S. Malou récherches u. s. w. S. 65.4) Wie ſie den Scholaſtikern ſo geläufig ſind:5) Daher seine Geneigtheit sich der zu seiner Zeit üblichen Idio-tismen zu bedienen, von denen Rosweid ein eigenes Glossarium (rario-rum et barbaricarum vocum, quae in his chronicis occurrunt) zuden Chronikem von Wind, und Agn. gesammelt hat.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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