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Briefe über freie Religion
Entstehung
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51
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ligion

513) Hat der Stoff oder die Materie ein bestimmtes Da-sein, und könnten wir ihn in seiner Totalität schauen, so sähenwir ohne Zweifel in allem daseienden, gegebenen Stoff eine Summevon Stofftheilchen, die in Zahl und Ausdehnung bestimmt,also auch begränzt, somit endlich wäre.4) Was uns auf die Idee einerUnbegränztheit bringt,ist weder das stoffliche Ding, noch die Anschauung des Gesammt-Stoffes; unser Gedanke, als das Nichtstoffliche, bietet uns einUnendliches, das wiederum nicht Stoff ist.5) Die Begränztheit des Stoffes an sich können wir unswohl vorstellen, seine Unbegränztheit nicht; unsere Phantasiewürde in Ohnmacht fallen, so oft wir es versuchen wollten, unsden Widerspruch einer gränzenlosen Materie vorstellig zumachen.6) Nur in unserer Unkenntniß der Wesenheit des Unendli-chen, welches das Endliche begränzt, liegt unser Unvermögen,von der Art der Weltbegränzung ein Gedankenbildzu fassen. Aus diesem subjektiven Mangel folgt aber nochlange nicht die Unmöglichkeit der betreffenden objektiven Existenz;denn wir haben z. B. auch durchaus keine Vorstellung von etwa20,763,542 Meilen, und doch existirt jene Entfernung im Ab-stande der Erde von der Sonne.Ich weiß nicht, welches philosophische System diese Folgerun-gen anerkennt, aber ich meine, daß sie selbstverständlich seien.Man hat gesagt, die Welt könne, wenn sie endlich wäre, nurvon dreierlei begränzt sein: vom Nichts, vom leeren Raume oder von Körpern. Da dem Nichts Alles, sogar das Dasein, fehlt,also das Nichts nicht einmal existirt, so wird es auch nichts be-wirken, die Welt nicht begränzen. Der leere Raum ist eine Formohne Wesen, eine Ausdehnung ohne Ausgedehntes, eine Vorstel-lung ohne Wirklichkeit; er besteht an sich nicht, kann also eben-falls keine Gränze bilden. Körper können endlich wiederum denStoff nicht begränzen, da sie lediglich eine Fortsetzung des Stoffessind. Man hat daraus geschlossen, daß der Stoff unbegränzt seinmüsse. Und doch liegt die richtige Antwort auf die Frage:was umschließt den Stoff? so nahe. Wie das Licht vom Nicht-Licht, das Wasser vom Nicht=Wasser, das Ich vom Nicht=Ich be-gränzt wird, so kann das einzige Begränzende des Stofflichennur das Nicht=Stoffliche sein. Daß aber das Stoffliche