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Briefe über freie Religion
Entstehung
Seite
50
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50Stunde noch nicht bekannt. Und heute selbst begegnen wir aufdem Gebiete der Forschung mancher Wahrheit, die sich als solchenoch nicht entschleiert hat; wir müssen sie noch vermuthen, ahnen,wenn wir uns mit ihr bereichern wollen, und erst spätern Ge-schlechtern wird es vergönnt sein, klar in ihr Heiligthum hinein-zuschauen.Was erst, nachdem Jahrtausende verflossen,Die alternde Vernunft erfand,Lag im Symbol des Schönen und des GroßenVorausgeoffenbart dem kindlichen Verstand.(ebendaselbst.)Ich will nicht, daß man den Atheismus: Religionnenne, daß man die Irrreligion mit der Unreligion bekämpfe,und die religiöse Freiheit durch religiösen Vandalismus bethätige.Ich will nicht, daß man die bewußte Fortdauer unserer Per-sönlichkeit dogmatisire, bevor die Wissenschaft sie gutheißen kann;ich will nicht, daß der Glaube an's Jenseits das alleinige Mo-tiv zu unsern moralischen Handlungen sei, wie dies bei Paulusscheinbar der Fall war. Ich will aber auch nicht, daß sichgerade die Religion berufen erachte: Gott und Un-sterblichkeit zu leugnen. Gerade unsere Menschlichkeitist es ja, die uns Ehrfurcht vor den Gräbern der Verstorbeneneinflößt, ohne daß uns der hinreichende Grund dafür vollständigeinleuchtet. Das Thier kennt nicht den Sarg, es fragt nichtnach der Asche seiner Eltern, es empfindet nicht den unüberwind-lichen Reiz einer Friedhofsblume, nicht die Bedeutung eines Lei-chensteines, der als Markscheide auf der Gränze zweier Welten zustehn scheint. Nur unsere bessere Menschlichkeit (Religion, nichtEgoismus) ahnt, daß der Schlaf im Grabe von kurzer Dauer,und der Tod nur eine herrliche Umgestaltung sei; ich will nicht,daß gerade die Religion, welche Menschheit und Thierheit voneinander trennt, das zarte Geheimniß zerstöre, das wir vor demVieh voraus haben.Zur Erläuterung meines 3. und 4. Briefes trage ich fol-gende einfachen Sätze nach:1) Die Anschauung der stofflichen Dinge zeigt uns diesel-ben stets von heterogenen Stoffen begränzt, woraus folgt, daßdes Stoffes Wesen: Begränzung ist.2) Wir können uns den Stoff an sich nur begränzt, alsonur endlich denken.