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Briefe über freie Religion
Entstehung
Seite
39
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Freihe.

selbst unsern vervollkommneten Instrumenten entgeht, eine Ge-setzmäßigkeit des Baues, eine innere Zweckmäßigkeit erkannt wird,die bei dem Untersucher, der ihr entgegentritt, nur das Gefühlder Ohnmacht zurücklassen kann, dann erscheinen uns die kunst-"reichen Anordnungen des menschlichen Körpers, soweit sie dasunbewaffnete Auge beurtheilt, noch als rohe Verhältnisse. DiePhysiologie ist es gerade, welche uns die tiefste Ehrerbietung vordem im organischen Reiche herrschenden schöpferischen Gedankenabzwingt. Wahrlich, wenn man sieht, wie die Gesetze, welchedie Bewegung des Weltalls und seiner Gestirne regieren, auchbei unsern Bewegungen ihre Anwendung finden, wie alleResourcen, die nur erdacht werden können, mit unend-licher Weisheit an der Maschine des Organismus angebrachtsind, dann wird man zur Verehrung des Planes hingerissen,der so folgerecht aus den einfachsten Ursachen die herrlichstenWirkungen zu erzielen vermag. Da sehn Sie, die Spracheist zu arm, um der staunenden Bewunderung Ausdruck zu geben,die uns bei der aufmerksamen Betrachtung der in allem Daseinsich offenbarenden Weisheit erfaßt. Es gibt nur ein Wort, dasalles erklärt; es ist das gedankenreichste Wort, welches weiterreicht als alle Phrasen, womit man es umschreibt, und schwererwiegt als große Bibliotheken, weil es das Alpha und das Omegajeder Wissenschaft ist: Gott! Warum fürchtet sich Herr Vogt,diese unschuldige Sylbe aus der Feder schlüpfen zu lassen, worinsie doch zweifelsohne steckt? Wahrhaftig, jetzt versteh' ich dasDistichon:Ist's denn so großes Geheimniß, was Gott, der Mensch und die Welt sei?Nein; doch Niemand spricht's aus, d'rum bleibt es geheim.Zehnter Brief.Es hat Philosophen=Schelme gegeben, besonders in alterZeit, die es verstanden, sich über die Gedankenlosigkeit köstlich lustigzu machen, indem sie lehrten, daß der blinde Zufall die Stoffegruppirt habe, und hierdurch Unzweckmäßiges wie Zweckmäßigesentstanden sei; das Erstere habe nun selbstverständlich nicht fort-