Doch meines Herzens Ziele sind höher, und mit Stolzerhebt sich mein Geist über alle Winkel der Erde. Des GeistesOzean ist der Aether, darin der Punkt sich verliert; das Un-endliche ist seine Bahn, sein Hafen die Gottheit.Wie das Kind im Mutterschooße, so wächst der unsterblicheGeist im sterblichen Körper. So lange das Kind noch nicht ge-boren ist, hängt seine Ernährung und Bewegung noch von derMutter ab; ähnlich ist der Geist unselbstständig, gleichsam nochungeboren, solang ihn der Leib, der irdische Gefährte, gefangenhält. Der Tod ist das Zerreißen der Nabelschnur, die Geist undLeib verbindet; der Tod ist die Geburt des Geistes zu einemfreiern unabhängigeren Dasein, und der Todeskampf der Geburts-schmerz. Es kann sich nicht anders verhalten!„Wir sind dem Aeskulap einen Hahn schuldig für die Ge-„nesung von der Krankheit, die man Leben nennt.“ — sprachSokrates als er den Giftbecher genommen.Gott und Unsterblichkeit waren stets der gebildetstenGeister höchste Ideale, — und auf dem Grabe zu Tegel, das diebeiden Humboldte umschließt, lautet die Inschrift bezeichnend fürihre Weltanschauung und ihres Strebens Grundsatz:„Sie vereinigt fortan ein freudiges Wissen des Höchsten,„Die im Leben getrennt seine Gestalten erforscht.Zweiter Brief.Die Altgläubigen haben uns, den freien Religionsgesell-schaften Angehörigen, vorgeworfen, ganz und gar religionsloszu sein, weil wir einen bestimmten orthodoxen Glauben nicht be-kennen, — weil uns die innere Welt das Heiligthum, und diejedesmalige Ueberzeugung der Priester ist, auf dessen Predigt wirhören. Doch der Vorwurf der kirchlich Gesinnten hat uns beiden Materialisten nicht verdächtigt, die ja von jeher behauptet,daß wir noch zu viel Religion besäßen, daß das Wort „Reli-gion“ gänzlich zu streichen und in das gleichbedeutend seinsollendeWort „Moral“ zu übersetzen sei. Sollten wir das wohl thun?
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