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Briefe über freie Religion
Entstehung
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n 1nter d.meisten

49Zwölster Brief.Jegenwärtiger Brief soll diese mir lieb gewordene Corres-pondenz vorläufig abschließen, indem andere Arbeit schon ihrenverpflichtenden Ruf ergehn läßt; der Gegenstand unserer Erwä-gungen, an sich doch unerschöpflich, kann dann an einem andernOrte weiter besprochen werden.Sie wissen, daß diese Briefe veröffentlicht werden sollen. Un-sere Freunde werden daraus ersehen, wie diefreie Religionnicht hohle Negation beansprucht; unsere Gegner mögen erfahren,was sich Dissidenten schreiben, und daß unsere Parole nochimmer die alte ist:Götzenlos, aber nicht gottlos!Heute wird es mir obliegen, zuzusehn, wo eine meiner frühe-ren Darstellungen der Deutlichkeit entbehrte, um mich nachträg-lich verständlicher auszudrücken.So sage ich denn: Ich will, daß die Religion kein nacktesVerzeichniß menschlicher Umgangsregeln sei; denn auch die Pferdesind klug genug, um einzusehn, daß es wohl gethan ist, sich imgemeinsamen Stalle zu vertragen, anstatt sich gegenseitig todt zutreten. Ich will, daß die Religion der fortschreitenden Wissen-schaft keinHalt gebiete, daß jene nicht einseitig nicht ma-terialistisch sei. Ich will, daß die Religion ganz speziell demästhetischen Gefühle Rechnung trage, es respektire und pflege, weildieses Gefühl ein Hauptcapitel des menschlichen Geistes ist, unddie Fortschritte in der Cultur zum großen Theile seiner Entwik-kelung zu danken sind.Nur durch das Morgenthor des SchönenDrangst du in der Erkenntniß Land;An höhern Glanz sich zu gewöhnenUebt sich am Reize der Verstand.(An die Künstler von Schiller.)Ich will, daß die Religion sich mit den unmittelbaren Ah-nungen beschäftige, die uns ebensowohl verliehn sind, wie gewissemittelbare Anschauungen. Die meisten unserer wissenschaft-lichen Erkenntnisse selbst sind zur Zeit nur Ahnungen gewesen;hätte Columbus seinem lebendigen, gläubigen Ahnen nicht so treunachgehangen, hätte er nach Art plattgetrockneter Seelen nur dersinnlichen Wahrnehmung gehuldigt, so wäre Amerika vielleicht zur