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Briefe über freie Religion
Entstehung
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Erster Brief.Es sei mir gegrüßt die Einsamkeit, das Eiland der Stille,an dem sich der Sturm des Lebens bricht, wo die Betrachtungwohnt, und in der Seele Tiefen ein Widerhall aus andern Wel-ten tönt. Hier hört man Erde und Himmel traulich mit einanderplaudern von Gott, der ihres ew'gen Zwiegespräches Gegenstandist. Was ich hier vernommen, nicht was ich selbst gedichtet, daswill ich treu und ungeschminkt erzählen.Der unerschütterliche Glaube an Gott stellt die vornehmsteFrucht unserer Denkarbeit dar. Wenn ich ihn begriffe, so wäremir Alles klar, entbehre ich ihn, so ist mir jedes Sonnen-stäubchen ein unergründbares Räthsel. Die Frage nach unseresLebens Werth löst sich in die andere auf, ob wir in seiner Er-kenntniß fortgeschritten sind. Doch was heißt: ihn erkennen?Er ist bei uns, und wir bemerken ihn nicht; er durchdringt uns,und wir wissen es nicht. Was wir auch ergreifen, er ist nichtda; wo wir eindringen mögen, es enthält ihn nicht. Suchen wirihn im Abgrunde, er ist tiefer als die Tiefe; forschen wir nachihm am Firmamente, er ist höher als die Höhe. Die heitereLuft ist schon zu klar für mein unterscheidend Auge; er aber istreiner als alle Reinheit. Nenne ich ihn Licht, so rufe ich seinGeschöpf; sage ich: Weisheit, so ist das seiner Ausstrahlungeneine. Am Anfange war er schon da und nach allem Ende wirder noch sein.Man kann nicht von Gott reden, ohne jenes schnöden Eigennutzes zu gedenken, der seit Jahrtausenden mit dem Namen desEwigen geschachert hat. Ich vernehme das WortGott vonder christlichen Kanzel, und meine Phantasie erschaut mit Grau-sen ein Stromnetz von Blut, das die ganze Erde umstrickt. Eine