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Briefe über freie Religion
Entstehung
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14lichen und räumlichen Welt nicht attribuiren dürfen, weil wir sieihr nicht entnommen haben, noch je in ihr finden werden. DieVernunft führt uns aber auch auf allen übrigen Pfaden der Be-trachtung zu Gott, dem geistigen und ewigen Prinzipe unsererGedanken, unseres Geistes, diesem veränderlichen Ebenbilde derunveränderlichen Gottheit. Daher hat der Mann Recht, welchersagt, daß die Heiden nicht zu entschuldigen seien, welche nicht zurErkenntniß des höchsten Wesens gelangten; wenn auch die Prie-ster den größern Theil der Schuld tragen, die dem Volke stetsdas Heilige im unheiligen Gewande und den Allerhöchsten in derKleinlichkeit eines Götzenbildes vorführten.Das Gefühl einer unbegriffenen Unendlichkeit bildet die My-stik unserer Seele, deren natürlichste, reifste Frucht die Religionist. Wird diese Naturreligion nicht gepflegt, so entartet sie inKirchensatzung und Aberglauben oder rohen Nihilismus. DerMensch bedarf der Ehrfurcht gegen ein unbekanntes Wesen, gegeneine geheimnißvolle Zukunft mit tröstlichen Hoffnungen, weil ersich für die Unsterblichkeit bestimmt fühlt. Die Geisterbeschwörunggen und Wahrsagereien beim Volke sind nichts anderes als Ver-irrungen des Instinktes der Religion und schlagende Beweise fürdie Nothwendigkeit des (vernünftigen) Glaubens. Man ist sehrnahe daran, sich von allem Wahn bestricken zu lassen, wenn mander natürlichen Stimme mißtraut. Das Volk, welches sich nichtmehr vor den Gegenständen seines religiös=philosophischen Bewußt-seins beugt, wird sich vor Traumdenter und Tischrücker beugen;und der Pantheist wird seine heftigsten Leidenschaften auf denAltar setzen, von dem sein zusammengelappter Götze stückweiseherabgefallen ist.Vierter Brief.Habe ich Ihnen im vorigen Briefe angedeutet, wie nebenall unsern Vorstellungen die Idee des Unendlichen herläuft, sosage ich Ihnen heute, indem ich Sie auf das in allen Sprachenvorkommende Wort fürUnendlichkeit verweise, daß die Mensch-