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Briefe über freie Religion
Entstehung
Seite
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20Blätter, häuten uns einige Male, um dann bald, bald den schein-todten Zustand der Puppe anzutreten. Unser Aufenthalt hienie-den dauert nur drei Minuten. In der ersten Minute begrüßenwir die Welt unter Schluchzen und Thränen, in der zweitenwerfen wir ihr einen Liebesblick zu und belächeln unser Elend,aber in der dritten Minute schon müssen wir Abschied nehmenvon Allem, was uns in der vorhergehenden Minute theuer ge-worden ist; und wir scheiden mit einem oft sehr schweren Seuf-zer. Wo ist da das beständige Glück, nach dem wir uns seh-nen, die dauernde Ruhe, wofür die Sprache ein besonderes Wortgeschaffen hat?Ein Traum, ein Traum ist unser LebenAuf Erden hierWie Schatten auf der Woge schwebenUnd schwinden wir.Und messen uns're trägen SchritteNach Raum und Zeit,Und sind und wissen's nicht in MitteDer Ewigkeit!Sechster Brief.Sie werden schon gefunden haben, daß die Frage, ob Gottdie Ursache der Bewegungen in der Welt sei, sich auf den bekann-ten Kraft= und Stoff=Streit reduzirt. Was diesen betrifft, sokann sofort zugestanden werden, daß der empirische Forscher aller-dings nirgendwo Stoff ohne Kraft oder vom Stoffe isolirte Kräftefindet. Ihm bietet sich allenthalben Materie dar, in welcher das-jenige, was wir uns als Criterium von bloßem Stoff oder alsCriterium geistiger Kraft denken, vereinigt ist und er weißnicht, ob die in seine Sinne fallende Substanz, wie sie sich dar-bietet, kräftiger Stoff oder stoffliche Kraft zu nennen ist.Es scheint mir aber nicht gerade vorsichtig geurtheilt, daraus zuschließen, daß die begrifflich verschiedenen Faktorendessen, was wir: gegebene Materie nennen, unzer-trennlich seien. Können wir jene Trennung auch praktischnicht vollführen, so bleibt doch die Möglichkeit bestehn, daß die

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