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Briefe über freie Religion
Entstehung
Seite
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4Eilster Brief.Ich habe Ihnen einen Brief geschrieben über die SchönheitHarmonie und Zweckmäßigkeit der natürlichen Einrichtungen, aberals ich ihn las, da fand ich kaum ein Milliontel von aller Prachtangedeutet, und daß das Bild meiner Feder matt und farbloswar gegen die Wirklichkeit. Ich mußte daher meine Zeilen ver-nichten und sage Ihnen nur: Werfen Sie einen Blick durch'sFenster über die schönen Hügel, in die üppig prangenden Thäler,die jetzt gerade der fruchtbare Sonnenstrahl nach langem Winterwieder küßt und so die vor Wochen noch öden Schneegefilde zumParadiese umschafft, dann sehn Sie mehr in einem Moment,als Sie in hundert Bücher lesen können. Meine Betrachtungenüber die sogenannten Chladni'schen Klangfiguren kommen Ihnennun ebenfalls nicht zu; ich wollte Ihnen damit den Zusammen-hang zwischen den Schönheitsregeln im Reiche der Formen unddem der Töne dargelegt haben. Doch Sie zweifeln ja nicht da-ran, daß die Welt nach einem einheitlichen Plane durch gleich-mäßige Gesetze gebildet ward.Wenn wir ein Schauspiel sehn, das uns rührt und anzieht,wo der zweite Akt die Handlung des ersten ohne Lücke für denZuschauer weiter spinnt, wo der dritte Akt im nämlichen Zusam-menhange bleibt und nur noch das Interesse am vorher Gesehe-nen steigert, wo im vierten endlich die Entwickelung ihren Cul-minationspunkt erreicht, und schon die Katastrophe oder die Auf-lösung der Verschlingungen, wie sie uns im letzten Akte entgegen-treten sollen, vorbereitet werden, dann fällt es uns nicht ein, wirhalten es für unmöglich, daß die verschiedenen Abtheilungen desKunstwerkes, dessen Anschauung uns entzückt, von verschiedenenDichtern sein könnten, die etwa gar nichts von einander wüßten.Und doch ist unser Freund blind genug, so etwas beim Schau-spiele der Natur vorauszusetzen; denn er sagt S. 33:Nir-gends in der Natur zeigt sich ein einheitliches, per-sönliches Wirken, vielmehr sehen wir überall un-endlich (!) viele persönliche Wesen nach eigenem Be-lieben handeln; diese sind nicht das Gebildete undAbhängige, sondern das Bildende, Fortpflanzende

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