47Welt erschauende, bewußte, wenn ich auch nicht sage: persönliche Geist. Vom Begriff „Persönlichkeit“ kann ich die Vorstel-lung der Beschränkung und Abgeschlossenheit, des Be-stimmtseins nicht trennen. Mir ist aber die Gottheit von derWelt nicht beschränkt, nicht abgeschlossen, sondern sie umfaßt unddurchwebt die Welt wie ein Arm, wie ein Hauch; das absoluteSein kann nicht gleichzeitig als das bestimmte gedacht werden.Der Träger des großen Weltgedankens stellt sich meinem Geistenicht als das Personifizirte, sondern das in mir und allenVernunftwesen sich Personifizirende dar; die Personen wech-seln, er bleibt! Die individualisirten Formen ändern, aberder individualisirende Gedanke, selbst unverändert und unverän-derlich, wirkt neugestaltend ewig fort. Die Gräser verwelken,und der Blüthenduft verstäubt in den Winden, das Lied der Nach-tigall verklingt unwiederbringlich; die Melodie der Weltgeschichteist das klingende Spiel fallender Diademe, das Geklimper eineszerbrechlichen Spielzeugs, Zepter genannt, begleitet vom Aechzender in ihren Fugen wankenden Throne. Wir sehn den Glanzmancher Himmelskörper erblassen, Komete kommen und gehn, denRuhm alter Helden in der Vergessenheit untertauchen; es ver-drängt die Thräne das kaum geborene Lächlen und unter seinenSchicksalen altert das Universum, wie ein Kleid altert, — eraber bleibt.O:Stern und Blume, Geist und Kleid,Freud', Leid und Zeit und — Ewigkeit!Ich höre weiter fragen: „wo ist Gott?“ Unser Begriff derOertlichkeit beruht auf einer Gedankenform (Raum), in welchesich unser Vorstellungsvermögen all' dasjenige einhüllt, was wirKörper nennen. Beim Nichtkörperlichen kann also nicht vonRäumlichkeit und Ort die Rede sein. Um des Kindes Frage kind-lich zu beantworten, hat man gesagt: Gott sei überall; eshätte aber richtiger, philosophischer heißen müssen: nirgendwo,an keinem Orte! Wo ist das Geistige, das Ursächliche, dasUnendliche? hört sich ebenso widersinnig an, wie: was wiegtein Kubikfuß Sonnenstrahlen? oder: wie politisch ist der Schnee?Alle diese Fragen sind einfach unzulässig. Auch nach dem Urhe-ber der Gottheit darf nicht gefragt werden; denn die letzte Ur-sache ist keine Wirkung mehr. Alle endlichen, bedingten Ursachensind die Wirkungen anderer Ursachen; die Gesammtwirkung (Welt)
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