45die Hierarchie abtreten, daß wir den Wein von befleckter Priester-hand koschern lassen, das fordert Gott nicht.Doch müssen wir auch beten? Zu ihm beten, das fand schonJesus thöricht, da er derjenige ist, dem nichts verborgen, demwir nichts Neues erzählen, nicht sagen können, was zu unsermwahren Heile dient. Nur im geheimsten Winkel unseres Herzensdürfen wir wünschen und seufzen:Allvater, Gutes gib mir, und wenn ich auch nicht darum häte;Böses wende von mir; fleht' ich auch sehnlichst darum.Wie ist es so häßlich, auf offner Straße zu hören, wie dieLeute dem Weltgeiste fünfzig Mal dieselbige Bitte vortragen, alswenn die Wiederholung ihn geneigter machen könnte, zu erhören.Knechte dienen um Lohn, ein Käufer handelt um Waare;Sei im Gebet vor Gott weder ein Käufer noch Knecht.Geh in die Kammer still und denk': Erzeige mir Höchster,Was dem Erbarmer gebührt, [nicht was der Sünder verdient.]Wahres Gebet ist nicht bitten, sondern betrachten; der SchöpfungSchönheit in's durstige Gemüth einsaugen, doch mit dem klarenBewußtsein, daß die Welt nicht der Herr selbst ist, — auf dem„Spaziergang“ die Sendboten Gottes begrüßen und uns seinerGaben unbefangen erfreuen, das ist Gebet, wie es dem Höch-sten gefällt:Sei mir gegrüßt, mein Berg, mit dem röthlich strahlenden Gipfel,Sei mir, Sonne, gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint!Dich auch grüß' ich, belebte Flur, euch, säuselnde Linden,Und den fröhlichen Chor, der auf den Aesten sich wiegt.Ruhige Bläue, dich auch, die unermeßlich sich ausdehntUm das braune Gebirg, über den grünenden Wald;Auch um mich, der endlich entflohn des Zimmers GefängnißUnd dem kirchlichen Zwang freudig sich rettet zu dir.Oder lassen Sie uns mit einem andern Dichter sagen:Du der Unsterblichen Höchster, du Vielbenannter, der ewigNach Gesetzen beherrscht die Natur, ihr mächtiger Führer,Der du alles gibst, befreie die Menschen vom schwerenUnsinn, nimm die Wolke von ihren Seelen, o Vater,Daß sie die Regel ergreifen, nach der du billig und sicherAlles regierst; damit wir, denen du Ehre gegönnt hast,Wieder dich ehren und dich in deinen Thaten besingen,Wie's dem Sterblichen ziemt: denn uns, den Menschen hienieden,Bleibt kein höheres Loos, als ewig und ewig des WeltallsHerrschende Regel gerecht in Wort und Werken zu preisen..
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