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Briefe über freie Religion
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Seite
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45und Freie. Unser Freund sieht also nur Willkühr und Zu-fall, wo wir Ordnung und Weisheit bewundern. Ich muß esaussprechen das harte Wort, daß man mit solcher Weltanschau-ung wohl Räuberbanden aber keine freien Religionsgesellschaftenorganisiren wird! Es ist ein Unglück, daß man die religiöseReform unserer Tage theilweise wenigstens auf den Atheis-mus pfropfen will, auf den Atheismus, der nur Moräste undVulkane sieht, nur schädliche Thiere, die sich im Kothe bergen;auf den Atheismus, dessen Herz von nichts gerührt wird, der beiKröten und Unken Nachfrage hält nach Beweisen gegen Gottund der, ohne einen stichhaltigen Grund für seine schändlicheAnnahme gefunden zu haben, versichert, man könne es ihm glau-ben auf's Wort: es sei kein Gott! Was muß unserm gutenDoktor nach obigem Citate die Ehe sein? Nichts als ein gemei-nes (weil unwillkührliches) Sichsuchen, um einander satt zuwerden! Bleibe sie der Menschheit nur immerhin der von Gottgewollte, nicht in's Belieben der Geschlechter gestellte,heilige Verkehr zu unserer gegenfeitigen Veredlung und zur Er-haltung der göttlichen Weltordnung. Damit die Ehe dies abersei, muß man einen einheitlichen Naturzweck und eineneinigen Gott annehmen. Man sieht, daß der Atheismus denUrsprung seiner Bekenner schändet, während die wahrhaftfreie Religion alle Verhältnisse adelt und vergeistigt. Wir mö-gen mit unserm Freunde in Westfalen einig gehn im Abscheu ge-gen andere Religionszünfte und deren vernunftbaare Satzungen,auf dem Gebiete derfreien Religion sind wir ihm gewiß An-tipoden, nichts weniger als Gesinnungsgenossen.Der Weltgedanke beansprucht, um möglich zu sein, daß ihnein Geist denkt; denn der Gedanke läßt sich nicht von der Vor-stellung eines Denkenden, das Gewollte nicht von einem Wil-len trennen. Wir brauchen die unsichtbare Anlage und ihrenTräger nicht zu sehn, um daran zu glauben, nein, wo immerhinsich eine Entwickelung zeigt, da müssen wir auf einen Keim undauf einen Entwickeler schließen.Das Kleinste muß in sich ein Ew'ges hegen;Denn aller Fortschritt macht nur offenbar,Was von Beginn verborgen d'rin gelegen.Und schließlich verehren wir im Göttlichen unser erhabenstesGefühl, weshalb auch reine Religiösität der Cultus unserer bessern