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Briefe über freie Religion
Entstehung
Seite
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Erdbahn aufgeführt wird, wie aber auch dieser Neigungswinkelsich regelmäßig um ein Weniges ändert, und so eine Verschiebungder Zonen und Klimate, nur den Jahrtausenden bemerkbar, be-wirkt, wie hierdurch das erschöpfte Erdreich sich wieder erholenund das pensionirte allmählig in den Kreis der vegetabilischenThätigkeit eintreten kann, wie die Bahnen der Planeten sogeschickt vertheilt sind, daß kein Himmelskörper mit dem Andernzusammenstößt, wenn ich mit einem Worte von der Sonne biszum Grashalm, ja bis zum Infusionsthierchen, bis zur Pflan-zenzelle abwärts die sich stets getreu bleibende Herrlichkeit undHarmonie gewahre, die sich so nicht als Zufall, sondern als un-abgeänderte Regel offenbart, derart, daß dienahen und fernenGeschlechter unter demselben Blau, über dem nämlichen Grünwie vereinigt wandeln, und das Gestirn des Tages wie zu Zei-ten Homers den Vätern, so heute uns den späten Enkeln nochstrahlt, dann muß ich ausrufen:Die Welt ist präpa-rirt, wie die Würfel es waren!Dem Geiste gegenüber, der solche Wunder vorbereitet, sinddie Völker allzumal noch weniger als ein Tropfen am Eimer,den Niemand beachtet oder eines Blickes werth hält; was bin ichund meines Gleichen? Ein Sonnenstäubchen im unermessenenLuftmeer, der Schatten einer Mücke, die im Sonnenscheinetanzt, und morgen nicht mehr lebt; ein Sandkörnchen, das dieEbbe auf dem Ufer zurückgelassen, und das die nächste Fluth wie-der verschlingt. Ein Gefühl der Nichtigkeit muß all mein Sin-nen und Denken betäuben bei dieser Rundschau im Reiche derWahrheit; ich versinke in Anbetung, in einen Scheintod von An-betung, aus dem ich nie zum gesunden, fröhlichen Leben wiedererwachen würde, wenn nicht dieselbe Hand, welche mich so tiegebeugt, mich auch wieder aufrichtete mit den berühmten Worten,die der Geist auf jeder Seite des Buches der Natur geschriebenfindet:Menschenkind, mein Sohn, schenke mir dein Herz! Sobuhlt der Unendliche um die Anerkennung des Endlichen, er be-wirbt sich um unsere Anerkennung seiner Liebe. Er verlangt,daß die Menschheit ihn verehre, nicht wie sich Fürsten verehrenlassen durch Illumination und Loyalitätsprozessionen, sonderndurch kindlichen Gehorsam seiner Gesetze, die das Weltall ver-kündet. Er will, daß wir heilig d. h. naturgemäß lebenmöchten, daß wir aber den zehnten Theil von allem Erwerb an

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