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Briefe über freie Religion
Entstehung
Seite
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existiren können, es wäre zu Grunde gegangen, und nur das Letz-tere, das Zweckmäßige sei übrig geblieben. Diese großen Weisenhatten herausgebracht, wie die hackenförmig gekrümmten Atomesich bei ihrer Durcheinanderschüttelung derart gefaßt, daß dadurchdie verschiedensten, wild von einander abweichenden Gestalten:Pflanzen, Thiere u. s. w. hervorgebracht worden sind. Das warin der That klar gesprochen und leicht vorzustellen. Doch durf-ten die Anhänger solcher Theorie sich wohl Denkfreunde nennen?Ist mit ihnen überhaupt noch zu rechten?Wenn ich auf einer Insel im Meer eine Marmorstatue fände,die so zu sagen das Ideal menschlicher Schönheit darstellte, dieallen Regeln des Ebenmaßes und allen Anforderungen der Kunstentspräche, dann würde ich sagen:Hier waltete ein geschickteMeister, der es ebensowohl verstand, in der Auffassung sein Genie,als in der Ausführung seine technische Fertigkeit bewundern zulassen. Dagegen müßte ich lachen, wenn mir Jemand einwen-den wollte:Guter Freund, diese Annahme ist gar nicht nöthigdu kannst dir die Sache ganz natürlich erklären. Von denvielen tausend Marmorstücken, die der Sturm von jenem Felsengerissen und in's Thal hinabgeschleudert hat, und die alle erdenk-baren Formen annehmen konnten, war zufällig auch einesdas im Rohen der menschlichen Gestalt ähnelte. Der Regenund die Sonnenstrahlen haben sich verbündet, die noch vorstehen-den Ecken sanft abzurunden und dem Ganzen einen mattenSchliff zu geben, wie ihn die im Flusse rollenden Kieselsteineebenfalls empfangen. Endlich ist die Statue durch irgend einenZufall auf dieses Postament gerathen und da bleibt sienun stehn, bis die Naturkräfte sie auch wieder umwerfen. Wennsie dann nicht mehr einer menschlichen Gestalt gleicht, dannmuß sie doch einem andern Dinge ähnlich sein, und du wirstdich dann wiederum verwundern, wie hier irgend ein vollendeterKünstler, der nur in deiner Phantasie existirt, sein Meisterstückgemacht.Solche Theorien hört man nicht selten vortragen, und manfindet auch leider Leute genug, die gerne zu den Füßen solcherLehrer sitzen und der Letzteren Witz und übermäßigen Scharfsinnbewundern. Ich kann die Urheber des atheistischen Systems nurmit den Vandalen vergleichen, die nicht nur Roms Bollwerkeschleiften, sondern im Wahnsinn und rohen Uebermuthe selbst alle

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