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Briefe über freie Religion
Entstehung
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37selbst. Hungersnoth, Pest und der ephemere Triumph des Lastersder Schöpfung Zweck vereiteln? Kennen wir den eigentlichenEndzweck alles Daseins? Allerdings scheint eine unaufhörlicheMonotonie menschlicher Generationen mit ihrem niedrigen Denkenund Thun tief unter der Würde jenes erhabensten Wesens zustehn; allein diese Weltordnung, die wir kennen, kann sehr wohlein Stück eines noch größern Systems sein, das uns unbekanntist, ebenso unbekannt wie die andern Sonnen unseres Astralsy-stems und des noch höheren Systems, wovon der ganze Hofstaatdes Sirius nur ein unbedeutender Theil ist. Und führt die Ent-wickelung der Menschheit nicht von Jahrhundert zu Jahrhundertdem Ideale uns scheinbar näher? Vollzieht sich nicht trotz alle-dem der Urtheilsspruch einer anbetungswürdigen Gerechtigkeit anganzen Völkern, wie in der Brust jedes Individuums, mag die-selbe auch mit hundert Ordenssternen geziert, mit Geld und Goldumpanzert sein? Bleiben nicht die Sterne in ihren Bahnen unddie Lilien in ihrer Pracht trotz aller Unthaten, womit der Böse-wicht seine irdische Wohnstätte entweiht und sich so selbst bestraft.Eine vom Blitze zersplitterte Eiche, an der die Naturkräfte Jahr-zehnte rastlos gearbeitet, vermag nichts gegen die Ordnung undZweckmäßigkeit des Universums zu beweisen; im Gegentheilmacht uns diese ohnmächtige Abweichung von der sich sonst allent-halben manifestirenden Ordnungsregel um so nachdrücklicher aufLetztere aufmerksam. Die Mißgeburten machen unser Gefühl schau-dern, weil sie in uns den schrecklichsten Gedanken erwecken: eineVorstellung von dem Chaos, was sein würde, wenn kein Gottwäre, oder über uns hereinbräche, wenn er seinen Segen, dieBefruchtung alles natürlichen Werdens zurückzöge: So sind alsodie Anomalien wohlüberlegte und zweckvolle Einrichtungen, dennGott spricht durch sie unhörbar aber verständlich:Hier ahne,Materialist, was die Natur ohne mich wäre!Auf dem düstern Hintergrunde einiger scheinbaren Uebel, Unverständigkeiten und Flecken tritt die unergründbare Harmonieund Schönheit der Gotteswelt um so kräftiger hervor; dieser Hin-tergrund soll uns bedeuten, daß Gesetz und Zweckmäßigkeit nichtnothwendige Eigenschaften der gegebenen Materie seien, (weilsonst keine Mißgeburten existiren würden und könnten) sonderndaß außerhalb des Stoffes eine Intelligenz, eine Kraft, ein Ge-setzgeber sich befinde, der das Stoffliche formt, bewegt und nach