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Briefe über freie Religion
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33
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genarefem5535

33Im Ernst! Was steckt schließlich darin, wenn das Exempelunseres Freundes weniger hiukte? Ist ein etwaiges Beliebenzum Fressen und Saufen, wenn wir solches dem Vieh einräumenwollen, auch nur ganz entfernt mit der sittlichen Freiheit zuvergleichen, die wir beim Menschen antreffen. Unterscheidet sichnicht schon durch seine Denkkraft der Mensch vom vollkommenstenThier? Und wenn auch die Menschenraçen auf verschiedenen Ent-wickelungsstufen stehn, wird es darum je gelingen, einen OrangUtang zum Professor der Mathematik auszubilden? Ja, jedereinzelne Gedanke verbürgt sich für unsern höhern Adel! AlsCartesius seiner Philosophie das bekannte Axiom:Cogito,ergo sum! zu Grunde legte, dachte er gewiß nur daran, seinergeistigen Existenz ein Fundament zu geben. Kein Thier kannin seiner Thiersprache sagen:Ich denke, mithin bin ich! KeinThier hat eine Ahnung vom Wesen der Himmelskörper, die eskaum sieht, noch kann es ihre Entfernung und Größe berechnen.Kein Thier vermag das Linné'sche Pflanzensystem zu erlernen,keines eine chemische Untersuchung anzustellen. Trotz seiner oftbewunderungswürdig scharfen Sinne unterliegt es der Ueberle-gung des Menschen.Ebenso hoch als die Vernunft, des Menschen Adelsdiplom,über dem Erkenntnißvermögen des Thieres steht, so erhaben istdas humane Gefühl über die Empfindungen des Viehs. Letztereszeigt allerdings Wohlbehagen oder Uebelbefinden, aber Freudeund Schmerz sind ihm total fremd. Sogar in den Aeußerungendrückt sich dieses wunderbar aus. Zu lachen oder zu weinen istnur dem Menschen gegeben. Welch eine reizende Frühlingsland-schaft ruht auf dem lächelnden Antlitz eines gebildeten Menschen,und wie romantisch blickt ein Mondnachtbild voll unaussprech-licher Trauer durch die melancholische Wimper, worin eine Thränezittert! Welche Feder endlich wird der Aufgabe gewachsen sein,die Weltgeschichte der Liebe zu schreiben? Doch gehn wir dazuüber, noch eine Sylbe von der Freiheit zu reden, die außeruns kein irdisches Wesen besitzt!Da ist der Säulensteher, der sein Leben auf einem Quadrat-fuß Stein in der Höhe verbringt, sich alle Annehmlichkeiten, oftgar die nothwendigste Ruhe versagt; dieses Zerrbild der Vernunftist noch immer ein interessanter Beleg für die Energie des freienWillens. Da ist Mucius Scaevola, der um Porsenna, dem feind-