28Haben Sie also in meinem vorigen Briefe mit mir eine nicht-materielle Ursache für die Bewegung der unorganisirten Materieangenommen, so fühlen Sie sich dazu gewiß noch mehr gedrungendurch die Betrachtung der complizirteren und mannigfaltigerenBewegungen des organischen Lebens, als deren Resultat eine ganzneue Erscheinung auftritt, die dem Wesen der materiellen Atome,soweit meine Vorstellungen reichen, nicht eigenthümlich sein kann:die Empfindung. Diese Folgerung der menschlichen Vernunftist so alt als das Wort, das die Völker aller Zungen für dasempfindende Prinzip adoptirt haben, und das wir in derdeutschen Sprache: Seele aussprechen.Sie werden mich nach dem früher Gesagten gewiß nicht da-hin mißverstehn, als ob ich in der Gesammtheit aller Thier= undPflanzenseelen den Geist des Universums, den Gott selbst, erblickenwollte. Die Welt der individualisirten Kräfte ist mir nur einehöhere Ordnung der gewordenen Dinge; aber ihre Ursache mußich in etwas Anderem suchen. Die unsichtbare Natur, die aberdarum keineswegs unwahrnehmbar ist, erscheint mir in demselbenReichthume prangend, wie die sichtbare; und meine Vernunft ver-langt für beide einen Entstehungsgrund, einen einsichtsvollen Ur-heber, der das Reich der Seelen und das Reich der Körper ineinem so harmonischen Wechselverkehr sehn wollte, d. h. beidefür einander bestimmte. Dieser Weltenmeister muß allesMenschengenie unvergleichbar überragen, weil die ganze Menschheit sich vor seiner Unermeßlichkeit und Weisheit beugt. Sei-ner Wunderwerke Zahl übersteigt unsere kühnsten Phantasien, undkein Jubellied einer menschlichen Zunge ist im Stande, seine Herr-lichkeit annähernd würdig zu besingen.Und wenn jetzt noch Jemand sagt, daß ihm das Leben: derMaterie Wesen und Daseinsbedingung erscheine, daß sich ihm einübergeordnetes Prinzip zur Erklärung der Erscheinungen in derSichtbarkeit nicht aufdränge, — so würde ich ihm nur entgeg-nen: Gut, behalte, so lange deine Vernunft sie zuläßt, diese An-sicht. Klammere deine Betrachtungen mit aller Heftigkeit und In-brunst an die große Wirkung ohne Ursache; bete sie garan, wenn es dein Herz befriedigen kann. Einst aber wird derTag kommen, wenn du nicht aufhörest, emsig den Fußstapfen derWahrheit nachzuforschen, wo dir der Widerspruch deiner Vorstel-lungen klar wird, und wo du davon abstehn wirst, das Ewige
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