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Briefe über freie Religion
Entstehung
Seite
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an Mit

im Veränderlichen zu suchen. An diesem deinem hellstenLebenstage wirst du, durch die azurblaue Himmelsluft in die wei-testen Fernen spähend, das Vorgebirge der guten Hoffnung er-blicken; und wie es einst vom MastkorbeLand! Land! scholl,und nun eine neue Welt entdeckt war, so wird dein aufder Warte der Wahrheit befindlicher Geist schließlich doch noch:Gott! Gott! rufen und glücklich sein.Der Freireligiöse ist nicht fanatisch gegen die abweichendenMeinungen Andersdenkender, denn er weiß wohl noch sehr gut,daß er selbst nicht stets frei gewesen, er empfindet es tief, wiesauer er seinen Standpunkt erkämpft, und daß nicht jedes Men-schenloos die Gunst hat, diesem Kampfe gewachsen zu sein. Mirund Jedem bringt ja der neue Tag auch neue Erfahrungen, welcheauf unsere Anschauungen nicht einflußlos bleiben können. Bisich aber einsehe, daß ich in einer jahrelangen Täuschung befan-gen war, (wenn Sie einen Wechsel der Ansichten bei mir unter-stellen wollen) gestatten Sie mir, daß ich allenthalben bekenne:Gott ist! Und dies Bekenntniß soll mich doch nicht wenigerfreisinnig und nicht lan im Priesterhasse machen.Gott ist! Die Wander des Lebens verkündigen seine Liebe,und der Gedanke an die Vorsehung hat dem Tode seinen Stachelbenommen. Gott ist! Denn unsere untrügliche Vernunft zeugtfür ihn; sie erschaut ihn, wenn auch unter der Gestaltenhülle, diegleichsam sein Kleid ist, in welchem allein er den ErdenkindernAudienz geben kann. Mein Auge erblickt den furchtbar herrlichenLichtzack in dunkler Nacht; ich staune und erschrecke zugleichich schaue und suche doch den Ort vergebens, wo er sich ge-zeigt. Leuchtend und verschwindend wie der Blitz, so verbirgt sichunserer Erkenntniß die ewige Gottheit; denn ohne geblendet zuwerden, vermag kein sterbliches Auge den Unendlichen zu betrach-ten. Schon bei der Ahnung seiner Größe erzittert das pochendeHerz unter dem gewaltigen Donner unserer erschütterten Gefühle.Gott ist! Wir treten in das Prachtgewölbe der Natur undfinden hinaufschauend mit Sternen, mit Millionen von Weltenseinen Namen in's Dasein eingeschrieben; ein Sonnenaufgangim Lenz ist ein einziger Buchstabe seines unermeßlich geheimnißvollen Namens, undWir wissen so, vom Glanz verwirrt,Nicht welches Wegs wir sind gekommen.