22lauben uns fast nicht mehr ihn „Stoff“ zu nennen oder ihn alssolchen zu denken. Die Wesenheit des Lichtes schien überhaupttüchtigen Naturforschern mehr dynamische Bewegung alsphysikalischer Stoff zu sein, und weitern Forschungen ist esin der That gelungen, die ganze Emissionstheorie zu stürzen undder andern Ansicht Geltung zu verschaffen, daß die Lichterscheinun-gen nur Vibrationszustände einer Materie sind, die sich allerdingsder direkten Wahrnehmung entzieht. Dieser hypothetische Aethersoll alle Welträume durchdringen; die Schwingung eines Aether-theilchens überträgt sich auf das benachbarte, die wieder auf seinbenachbartes, und so fort nach allen Richtungen hin. Wird end-lich unsere Augennetzhaut durch das ihr zunächst liegende, erschüt-terte Aethertheilchen affizirt, so empfinden wir etwas, das wir„Licht“ nennen. Manche Bekräftigung findet diese Undulations-theorie; z. B. rufen selbst mechanische Erschütterungen der Seh-nerven, wie sie etwa durch Schlag oder Stoß erfolgen, subjektiveLichtempfindungen hervor. Die Art der Aethervibration (Con-struktion der Lichtwellen) ist Ursache derjenigen Lichtmodifikatio-nen, welche man unter dem Worte „Farben“ begreift. Aber,was ist die Ursache der Aetherbewegungen überhaupt? Ist dieBewegung seine Eigenthümlichkeit oder Folge einer auf ihnwirkenden Kraft, die wirken und auch nicht wirken kann?Wäre die Bewegung des Aethers eine wesentliche Nothwendigkeitseiner Existenz, warum finden wir denn den Schatten das Lichtbegränzend? Warum ist sich diese Bewegung nicht selbst gleichDie Aetherbewegungen sind nicht selbstständig und ursachlos:sie sind das Resultat einer Macht, die einst sprach: „Es werdeLicht!“ — und die noch heute, aller politischen und religiösenReaktion Trotz bietend, die Völker auf dem Pfade zum Licht voran-führt. Es mag richtig sein, was fast vor einem JahrhundertLichtenberg bemerkte: daß im Lichte noch viel Finsternißenthalten, soviel wissen wir indeß heute mit Bestimmtheit, daßSonne und Mond keine Laternen sind, die allsamstäglich geputztwerden müssen, und ebenso sicher wissen wir auch, daß Licht,Wärme und Elektrizität in Bewegungszuständen des Weltäthersbestehn. Gibt es aber für den Aether eine Bewegung, so gibt esauch eine Ruhe; denn schon aus der modifizirten Bewegung gehthervor, daß dieser Bewegungszustand kein absoluter ist, und daßdie Ursache der Bewegung, die Kraft, etwas ganz Anderes sein
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