äntiku
heit jene Idee stets ausgesprochen hat. Entspricht derselbenaber auch eine Wirklichkeit?Also, wir haben bei der Vorstellung irgendwelcher beschränk-ten Vollkommenheit deren Unbeschränktheit stets als stillschweigendeVoraussetzung im Auge, weil diese Idee eines unbeschränktenSeins die unerläßliche Bedingung ist, unter welcher wir das ver-schieden beschränkte Dasein aufzufassen vermögen. Man kannvon den unterschiedlich begränzten d. h. mannigfach großen Din-gen keine allen gemeinsame Größe abziehn und so das Abstrak-tum „Endlichkeit“ bilden, sondern wir begreifen die Endlichkeitnur durch ihren Gegensatz, im Lichte der Unendlichkeit. Demnachliegt das Unrichtige folgender Behauptung zu Tage: „Das Kind„gelangt empirisch, durch Vergleichung der Dinge und Abziehn„der ihnen sämmtlich zugetheilten Gränzen zum Begriffe der End-„lichkeit.“ So entwickelt sich das Kind nicht; es ist zur Auffassungder Endlichkeit nicht eher befähigt, bis die Idee der Unendlichkeitin seinem Geiste aufgeht. In diesem direkten Sichbewußtwerdenerschaut es den Begriff der Endlichkeit; denn alle Empirie, alleErfahrungen werden nicht im Stande sein, der Thierseele denBegriff „Endlichkeit“ beizubringen, weil dem Thiere die Anschau-ung des Unendlichen, die Quelle aller Abstraktion fehlt.Darin liegt gerade der Schwerpunkt und die ganze Trag-weite unseres Gottglaubens, daß wir das göttliche Wesen un-mittelbar wahrnehmen, von seiner Existenz, wenn auch nichtvon deren „Wie“ wissen. Diese direkte Erkenntniß überbietet anWerth und Zuverlässigkeit alle Thatsachen, welche uns erst mit-telst der Sinne zukommen. Trauen wir also dem unmittel-baren Bewußtsein nicht mehr, so ist auch jede mittelbareSinneswahrnehmung unzuverlässig; denn das vom Unglauben, vomkrassen Materialismus so hoch angeschlagene „Sehn“ muß sich,abgesehn von den zahlreichen Sinnestäuschungen, schließlich dochnoch von der Richtigkeit unserer geistigen Operation, des Sichbe-wußtwerdens, abhängig erklären. Unser leibliches Sehn, Hörenund Fühlen, sowie Riechen und Schmecken, sind von unzureichen-der Schärfe und können in Folge ungenauer Beobachtung leichteine trügerische, der Wirklichkeit nicht entsprechende, falsche Vor-stellung erwecken; vom Blitzstrahl beleuchtet, erscheinen uns dieSpeichen eines in der Nacht dahinrollenden Wagens still zu stehn.Die unmittelbaren Wahrnehmungen unseres Geistes müssen aber