18 Altgriechische Tachygraphie.
Wien als Cursivschrift erkannt und 'Amr/s^p, d. i. 'AiroXXt&vtos •/.r/pruxdzi-A'z(»Ich, Apollonius, habe dies amtlich ausgeführt«) gelesen worden.
Erst im zweiten Jahrh. n. Chr. werden griechische Stenographen er-wähnt: Flavius Philostratos (3. Jahrh.) theilt über Herodes Atticus (+ 177)mit, dass dieser unter anderen Dingen 10 Semeiographen (s. o. S. 9) verschenkthabe und Flavius selbst schreibt in einem Briefe an Appolonius, »er verließAntiochia mit zwei Dienern, von denen der eine Tachygraph, der andereKalligraph war«. Eusebius berichtet, dass eine Disputation zwischen einemgewissen Malchion und Paulus von Samosate durch Schnellschreiber auf-gezeichnet wurde, und von jetzt an mehren sich die Berichte über steno-graphische Aufnahmen von Verhandlungen, besonders der Kirchenconcilien.Bei den Christen waren es junge Geistliche, welche vorzugsweise zu Steno-graphen herangebildet wurden.
Die Überreste der griechischen Tachygraphie, welche entziffert wordensind (H. Gr. S. 16 und 17), denn die tachygraphischen Texte im PapyrusRainer (H. Gr. S. 18) sind noch nicht entziffert, zeigen eine gleiche Silben-schrift, wie die aus den Tironischen Noten gebildeten (s. o. S. 12). Ein Al-phabet von Lautzeichen gab es nicht, sondern nur Zeichen für a, s, tj, t, 0,ou, u, tu, «t, au, et, su, a?, ec, r;?, av etc., und Silbenzeichen für ßa, ßs, ßvj,ßi, ßo, ßou, ßu, ß«u etc.; wo Consonanten ohne Vocal vorkommen, sind siemit Currentschrift ein-, eigentlich übergeschrieben. Das Verhältnis dieserTachygraphie zur Currentschrift war das von I : 2, also noch ungünstigerals bei den Tironischen Noten, so dass die Tachygraphen eine ausser-ordentliche Handfertigkeit besitzen mussten, um mit dieser Schrift den oftleidenschaftlich erregten Wortkämpfen auf den Concilien nachzufolgen (voraus-gesetzt, dass sich in dieser Schrift wirklich die Reste der bei den Concilienverwendeten Kurzschrift erhalten haben).
Der Ursprung dieser Tachygraphie ist jedenfalls in Rom zu suchen.Die enge Verbindung_ beider Völker, welche unter demselben Herrscherstanden, machte die Übertragung der römischen Stenographie auf die grie-chische Sprache ebenso zur Nothwendigkeit, wie in neuerer Zeit in Öster-reich die deutsche Stenographie Gabelsberger's auf die slavischen Sprachenangewendet werden musste. Für die Anwendung der Tironischen Notenauf das Griechische scheint sich keine geeignete Person gefunden zuhaben, und so griff man zu der aus jener gebildeten Silbenschrift, welcheleichter anzuwenden war und wahrscheinlich schon von den römischen Steno-graphen für griechische Citate angewendet wurde.
Diese Silbenschrift war leicht zu erlernen und so erfahren wir vonPhotogenes, dass er bewundernswert erfahren war im Buchstaben des Gesetzesund geübt in der Tachygraphie, ferner, dass er eine Schule und Erziehungs-anstalt eröffnet hatte, in welcher er die Schnellschrift lehrte.
Litteratur.
Bernard de Montfaucon (Montefalco), Palaeographia graeca, Paris 1708.Jacob Friedrich Bast, Commentatio palaeographica, 1811. Ulrich Kopp, Palaeo-graphia critica 1807. Böckh, in den Abhandlungen der Berliner Akademie, 1821.Conr. Leemans, Papyri graeci, 1843. Willi. Wattenbach, Anleitung zur griech.Palaeographie, Leipzig 1867, 1878. Dr. O. Lehmann, De Tachygraphia Grae-corum (im Panstenographikon, 1869). Ders., Die tachygr. Abkürzungen der griech.Handschriften, 1880. /. Gildemeister in der Zeitschrift der Deutsch, morgenl.Gesellschaft, Bd. IX. Dr. Gardthausen, Beiträge zur griech. Palaeographie, 1877.Ders., Griech. Palaeographie, 1879. Dr. Michael Gitlbaner, Die Überreste der