Druckschrift 
1 (1883) (IV.) Erste Rede gegen Philippos [u.a.] (I - III.) Olynthische Reden
Entstehung
Seite
244
Einzelbild herunterladen
 

244 RÜCKBLICK AUF DIE DRITTE PH1LIPPISCHE REDE.

Rückblick auf die dritte Pkilippisehe Kede.

Die vorliegende Rede ist von den bisher behandelten die bedeu-tendste ; in ihr werden nicht blofs wieder die Gefühle des Redners beimAnblick der inneren Fäulnis und Ausblick auf das Anwachsen der MachtPhilipps mit wahrem Pathos geschildert und die Resultate seiner Studienauf dem Gebiete der Menschen- und Staatenkunde unaufdringlich ver-wertet, sondern es erhebt sich der Redner auch zu einer Betrachtungder panhellenischen Verhältnisse: D. ist hier nicht blofs ein leidenschaft-licher Gegner Philipps, nicht blofs ein engherziger Vertreter der Inter-essen seiner Vaterstadt; sondern er zeigt sich auch als Grieche von derDenkart eines Perikies, als ein Mann, der aus dem Leben in einer stol-zeren Vergangenheit sich Kraft und Mut geholt hat, um die Gegenwartzu jener Höhe der Gesinnung und jener Thatkraft des Handelns wiederzu erheben. Unsere Rede ist nur wenig später, als die achte, gehalten und die Verhältnisse haben sich nur wenig geändert. Die Chersonne-sier bedürfen auch jetzt noch der Unterstützung und in den inneren Ver-hältnissen ist kein Umschwung eingetreten. Wiederholungen liefsen sichdabei natürlich nicht ganz vermeiden; aber doch treten in unserer Redenoch mehr als in jener die kleinlichen Verhältnisse im Norden in den Hinter-grund; und nur am Sehlufs (§ TO76) macht der Redner positive Vor-schläge für die augenblickliche Politik, deren Einzelheiten andere Rednervor ihm behandelt und beantragt haben mochten. In der Rede selbst(§ 669) führt er zunächst den schon im Proömium ausgesprochenen Ge-danken weiter: dafs jene Staatsmänner, welche den Athenern vorredeten,dafs man den Frieden mit Philipp nicht brechen dürfe, das Interesse Phi-lipps vor Augen hätten. Denn für diesen bestände kein Frieden; er würdenicht müde, sich als Feind Athens zu zeigen, obwohl er den Krieg nichterkläre (§ 620). Er verübe im Frieden Beleidigungen, die kein Griecheder Vergangenheit ertragen hätte; er verübe sie als Barbar an Grie-chen, gleich als ob er stumpfsinnige Sklaven vor sich habe. Aber essei leider jener patriotische, stolze Griechengeist geschwunden; man er-kenne nicht einmal, dafs Philipps Fortschritte im Kriegswesen die Lagegefährlicher mache, als sie je gewesen sei, man durchschaue nicht, welcheKriegsweise man dagegen einschlagen müsse (§ 2152). Und das allesgeschehe, weil man auf schlechte Staatsmänner höre, trotzdem man andrei Städten Beispiele habe, wohin das Treiben der Philippsfreunde führe.Und warum wiederhole sich immer dasselbe Verhalten ? Weil das Volkjede Anstrengung scheue (III, 5369). Man wird leicht bemerken, wieD. in der Anordnung der Theile dem bekannten Grundsatz: fortiora, for-tia, fortissima Rechnung trägt; denn die von ihm ausführlich behandeltenBeispiele jener drei Städte mufsten mehr als Worte und Gründe die Athenerdazu führen, jene Gegenpartei von der Regierung endlich auszuschliefsen.

Drack ron J. B. Hirschfeld in Leipzig.