106
EINLEITUNG
das nachweislich über diesen Zeitpunkt hinausginge, vielmehr dieerwähnten von jüngstem Datum alle der unmittelbar vorherge-henden Zeit angehören, wie der Verlust von Pydna, Poteidäa, Me-thone, Pagasä (Ol. 105, 4—106, 4) § 4. 35, der Zug der Athenernach Euböa (Ol. 105, 3) und nach Pylä (Ol. 106,4) § 17. 41,Philippos’ Operationen gegen Pylä (Ol. 106, 4) § 17, gegen denChersonesos und Olynthos (Ol. 107,1) §17.41. Und noch han-delt es sich um Amphipolis (§ 12), noch ist Euböa, mit dem esbereits Ol. 107, 2 zum Kampfe kam, im Bunde mit Athen undPhilippos erst im Begriffe beide Staaten miteinander zu verfeinden(§ 37), noch beschränkt sich die Parteinahme für Philippos, dieOl. 107, 4 schon in vollem Gange war, auf blofs gelegentlicheZwischenträgerei (§ 18). Wäre dagegen die Rede Ol. 107, 4,und erst nach den olynthischen gehalten, so würde es völlig un-begreiflich sein, wie es der Bedner über sich gewinnen konnte,zumal angesichts der von ihm § 13 ff. gemachten Vorschläge zurKriegführung gegen Pb., des gegenwärtig so bedenklichen Stan-des der olynthischen Sache mit keinem Worte zu gedenken.Endlich bezeichnet D. im Eingänge selbst sein diesmaliges Auf-treten als sein erstes selbständiges Vorgehen im Kriege mit Phi-lippos.
Es war diesmal nicht ein besonderes Ereignis, dessen Mel-dung vom Kriegsschauplätze Besorgnis in Athen erregt unddessen unmittelbaren Folgen man vorzubeugen oder zu begegnengesucht hätte; die Athener hatten weislich einmal die Sacheselbst in dieHand genommen und berieten Uber das was Philipposgegenüber von nöten sei (§ 1). D. ergriff hierbei die Initiativeund benutzte die Gelegenheit seinen Mitbürgern einmal im all-gemeinen ihre unverzeihliche Fahrlässigkeit in der Führung desmakedonischen Krieges vorzuhalten und sie zu einem energischenAuftreten anzutreiben, sodann aber insbesondere — und das istder eigentliche Kern der Rede — in betreff der Art der Kriegfüh-rung positive Vorschläge zu machen, wie sie durch die gemach-ten Erfahrungen geboten waren. Diese Vorschläge gehen daraufhinaus, eine Flotte von 50 Kriegsschiffen nebst der entsprechen-den Zahl von Transporlfahrzeugen in Bereitschaft zu setzen, umteils dem Feinde zu imponieren, teils im Notfall sogleich mitder erforderlichen und zwar aus den Bürgern selbst zu bildendenMacht nach dem vom Feinde jedesmal gefährdeten Punkte hin-eilen zu können, mittlerweile aber — und das ist ihm die Haupt-sache — ein kleines Heer von 2000 Fufsgängern und 200 Rei-tern, wovon der vierte Teil aus Bürgern zu bestehen habe, und