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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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Wahrnehmbare, sondern auch alles Intelligible, Verstehbare theore-tisch erfaßt hat, das Absolute oder die Gottheit dadurch demtheoretischen Menschen um so unfaßbarer wird? Müssennicht auf dem Boden einer konsequentkopernikanischzu Ende ge-dachten Erkenntnistheorie, die auch für die Erkenntnis der intelligib-len oder verstehbaren Welt Platz hat, das Weltwesen und die Gottheit,wenn man sie überhaupt denken will, so gedacht werden, daß geradeder theoretische Mensch sie nicht mehr zu Gegenständen der Erkennt-nis machen wollen kann? Gibt das nicht erst die wahre Ueberwin-dung des Intellektualismus ? Sie könnte vielleicht zeigen, wie gradedas universale Erkennen sich selbst zerstört, wo es daraufausgeht, das absolute Wesen der Welt oder der Gottheit zumGegenstand der Wissenschaft zu machen oder es irgendwie theo-retisch zu erkennen.

Wie weit eine kritische Behandlung solcher Fragen noch auf demBoden der Kantischen Philosophie möglich ist, soll hier nicht erör-tert werden. Jedenfalls müßte die Lösung der angedeuteten Pro-bleme über den Buchstaben Kants weit hinausführen. Auch überseinenGeist? Wir können in unserem Zusammenhang auf eineEntscheidung schon deshalb verzichten, weil auch ohne sie an derBedeutung Kants, die er als Philosoph der modernen Kulturbesitzt, nicht mehr zu zweifeln ist.

Was wir zeigen konnten, genügt, um klar zu machen: Kants Den-ken steht mit dem modernen Kulturbewußtsein grundsätzlich inHarmonie, und das bedeutet zunächst für den theoretischen Men-schen: Kant rechtfertigt das Streben, das seit der Benaissance inEuropa entstanden war, wieder wie früher in Griechenlandum derBetrachtung willen die Wissenschaft zu lieben, indem er den Eigen-wert einer Erforschung der Wahrheit für die gesamte Sinnenweltaußer Frage stellte. Will man darin zugleich die Aufrichtung vonSchranken für das Erkenntnisstreben sehen, so mag man das tun.Aber um auf diesem Wege Kants Ueberwindung des Intellektualis-mus in Frage zu stellen, wird man nicht nur nachweisen müssen, daßes überhaupt noch eine prinzipiell andere Art der Erkenntnis gibt alsdie von Kant begründete der Sinnenwelt, sondern daß sie zugleichdas letzte Wesen der Welt oder das Absolute oder die Gottheit theo-retisch adäquat zu begreifen vermag.