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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
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des religiösen Sinngebildes kommt es an, dessen wir uns mit unseremSeelenleben bemächtigen.

Dementsprechend lautet unsere Frage: worin besteht die inhalt-liche Besonderheit des Sinngebildes, das in der christlichenReligion zum Ausdruck kommt, und wodurch unterscheidet es sichvon den theoretischen Wahrheitsgebilden der griechischen Wissen-schaft wie von den politischen Werten und Sinngebilden, die sich imrömischen Staat verwirklichen ?

So wenig wie beim Griechentum und Römertum denken wirdaran, den Gegenstand in irgendeiner Hinsicht zu erschöpfen. Un-sere Darstellung ist wieder bewußt unvollständig und einseitig. Auseinem, geschichtlich betrachtet, sehr komplizierten Gebilde greifenwir alsChristentum nur wenige Züge heraus. Gegen den Vorwurf| der Willkür sind wir trotzdem geschützt, sobald sich die Einseitig-S keit durch den leitenden Gesichtspunkt unserer Auswahl rechtferti-gen läßt, und das ist nicht schwer. Noch weniger als beim römischenStaat kann hier von einer geschichtlichen Darstellung die Rede sein.Uns interessiert das Christentum in seiner ursprünglichen Gestalt,und von dieser ist in ihrer Reinheit direkt so gut wie nichts erhalten.Was wir historisch fassen können, zeigt sich bereits mit fremden Be-standteilen durchsetzt. Schon deshalb bleibt nichts anderes übrig,; als für unsere Zwecke die Züge hervorzuheben, die sich anderswoI nicht finden, und dann unter ihnen die Bestandteile auszuwählen,

! die ein besonders irrationales Gepräge tragen. Denn in dem Irratio-j nalen wird das Neue gegenüber dem Griechentum und dem Römer-j tum deutlich, die beide rational, wenn auch in sehr verschiedener| Art sind. Was das Christentum eventuell mit diesen beiden Kultur-j mächten gemeinsam hat, fragen wir nicht. Inwiefern ist das Chri-I stentum irrational? Das allein kommt in Betracht.

Unter den großen griechischen Denkern erscheint dem modernenMenschen wohl Plato als am meisten religiös. Doch selbst wenn wirJ von dem intellektualistischen Charakter seiner Religiosität absehen,fällt uns die Tendenz auf, die Persönlichkeit oder die Einzelseele im| All verschwinden zu lassen. So ist die individuelle Unsterblichkeitdieses oder jenes Menschen für Plato kein Problem, und auch dasIdeal der Liebe gestaltet sich bei ihm so, daß alles Haften am Per-! sönlichen geradezu als Trübung gilt. Dies Verschweben im Allge-

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