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jemand unpraktisch verfährt, wenn er völlig irrational bleibt. Ausalledem folgt: wir müssen scharf die Art der Rationalisierung, welchein der Wissenschaft als Herrschaft des Intellekts zum Ausdruckkommt, von dem Rationalismus trennen, den wir auf atheoretischenKulturgebieten finden, und daran festhalten, daß es noch keinen ein-seitigen Intellektualismus bedeutet, wenn man feststellen kann:auch das atheoretische Leben der Kunst oder der Politik ist in Eu-ropa mit rationalen Faktoren durchsetzt und insofern rationalistischgestaltet. Freilich gibt es außerdem Gebiete der Kultur, die ihremWesen nach jede Art von Rationalismus ablehnen werden. Dochauf die Wissenschaft läßt sich der berechtigte Rationalismus in kei-nem Fall beschränken, und das ist grade bei einem VerständnisKants zu beachten.
Das alles wird noch deutlicher werden, wenn wir nun sehen, was .wir unter Intellektualismus zu verstehen haben. Er ist,so wie wir das Wort gebrauchen wollen, eine besondere Form des Ra-tionalismus und bedeutet zugleich eine bestimmte Weltan-schauung, die nicht nur mit den völlig irrationalen Lebensgebieten,sondern auch mit einer rationalistischen Sittlichkeit oder Kunst imPrinzip unverträglich sein kann, insofern durch ihn die ästhetischenund die ethischen Eigenwerte in ihrer Besonderheit angetastet wer-den. Um das ganz zu verstehen, müssen wir zunächst auf das Wesender Wissenschaft näher eingehen, aus welcher der Intellektualismusstammt, und mit der er noch viel enger zusammenhängt als der all-gemeine europäische Rationalismus. Die Wissenschaft aber, die da-bei in Betracht kommt, ist ein Produkt des Griechentums.So werden wir auch unter diesem Gesichtspunkt auf dieselbe Kultur-erscheinung geführt, zu der wir bereits im vorigen Kapitel als demnotwendigen Ausgangspunkt unserer geschichtsphilosophischen Be-trachtung gekommen waren. Das Wort „Renaissance“ erhält einenunzweideutigen und unbestreitbaren Sinn dadurch, daß wir damitdie Wiedergeburt der griechischen Wissenschaft bezeichnen. Wollenwir diese Wiedergeburt als spezifisch modern verstehen, so haben wirzunächst die Geburt der antiken Wissenschaft ins Auge zu fassen.
Kickert, Kant.
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