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Kant als Philosoph der modernen Kultur : ein geschichtsphilosophischer Versuch
Entstehung
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Vielleicht kann man diese verschiedenen Forschungen alle zueinem einheitlichen Ganzen vereinigen, das dann einen systemati-schen und auch streng wissenschaftlichen Charakter trägt. DochLogik der Geschichtswissenschaft und historische Prinzipienlehrekommen für uns nicht in Betracht. Nur so etwas wie ein Ueberblicküber das Ganze wenigstens der europäischenWelt scheint not-wendig zu sein, falls das Wesen der modernen Kultur im Unter-schied von dem der antiken und der mittelalterlichen zutage tretensoll. Das liegt dem, was die empirische Geschichtswissenschaft an-strebt, von allen geschichtsphilosophischen Untersuchungen amnächsten und trägt trotzdem einen ungeschichtlichen Charakter.Inwiefern unser Versuch dennoch ein methodisches Recht hat, müs-sen wir zuerst klar machen.

Es läßt sich nicht vermeiden, daß wir hier mit Begriffen von gros-ser A11 g e m e i n h e i t arbeiten, während alle Geschichtswissen-schaft ihrem logischen Wesen nach Darstellung einmaliger und indi-vidueller Vorgänge ist. Allerdings kann auch die empirische Ge-schichte allgemeine Begriffe wie modern, mittelalterlich und antikoder ihnen entsprechende nicht entbehren, doch handelt es sich fürden Historiker dabei stets um Namen für Gebilde, die zwar sehr um-fassend sind, trotzdem aber einmalig und individuell bleiben, dennes wird mit den allgemeinen Bezeichnungen auf eine Mannigfaltig-keit hingewiesen, die dann von der Geschichtswissenschaft in ihrenEinzelheiten weiter zu erforschen ist. Freilich nimmt auch eine nochso sehr ins Detail gehende Untersuchung nicht die ganze Mannig-faltigkeit dessen, was einmal wirklich geschehen ist, in die Darstel-lung auf. Jede Wissenschaft bedarf einer Trennung des Wesent-lichen vom Unwesentlichen, d. h. es muß das Eine hervorgehobenund das Andere weggelassen werden. Aber die Prinzipien, die sol-cher Trennung zugrunde liegen, sind in der empirischen Geschichts-wissenschaft nicht von außen an den Stoff herangetragen, sondernihm selbst entnommen, und vor allem haben grade die allgemeinstenBegriffe geschichtlich immer nur vorläufigen Charakter, ja bedeutenals allgemeine Begriffe für den Historiker lediglich einen leeren Rah-men, der durch die Wissenschaft erst erfüllt werden soll.

Für uns aber sind die Bedeutungen von Worten wie antik, mittel-alterlich und modern in ihrer Allgemeinheit schon etwas Endgül-