218
•deshalb auch nicht; ärgerlich über mein Missgcschiekund die Flegelei des jungen Mannes fuhr ich endlich durchdas Gauthor, in die starke Festung Mainz ein, wo ichmit einem Schulfreunde einen vergnügten Abendverlebte.
Mainz hat 77 000 Einwohner, darunter 8000Mann Militär, und liegt ain linken Ufer des Rheinsgegenüber der Mainmündung. Eine be/wegte Ver-gangenheit hat die von den Römern gegründeteStadt hinter sich; ihre Glanzperiode fällt in die Zeit,da sie das Haupt des mächtigen Rheinischen Städte-bundes war. Sehr interessant ist der Besuch desRömisch-Germanischen Centralmuseums, welches einegrossartige Sammlung vorchristlicher Altertümer ausallen deutschen Landen teils im Original, teils inNachbildung enthält.
Der aus dem X. Jahrhundert stammende, alt-■ehrwürdige Dom ist eine der interessantesten KirchenDeutschlands. Oftmals teilweise zerstört, wurde erimmer wieder ausgebaut, und infolge dessen vereinigter in sich die verschiedenen Stilformen der gotischenund romanischen Baukunst. Die zahlreichen schönenGrabdenkmäler im Innern des Domes verdienen ganzbesondere Beachtung.
Bemerkenswert ist Mainz ferner als GeburtsortJohannes Gutenbergs, der die Stadt zum Ausgangs-punkte seiner weltbewegenden Erfindung, der .Buch-druckerkunst, machte. In den Jahren 1450—55wurde hier das erste grössere Druckwerk, die berühmte42seitige Bibel, hergestellt. Die Druckerei befandsich, wie eine Bronzetafel besagt, im Hof „ZumJungen“, der jetzigen Brauerei in der Franziskaner-gasse. Ein schönes Standbild ist dem genialen Er-finder nach Thorwaldsen’s Entwurf auf dem Guten-bergplatze, in der Nähe des Theaters, errichtet worden.