125
Plan zu diesem Gotteshause entworfen hat, ist nichtbekannt. Die Arbeiten schritten unter verschiedenenitalienischen Meistern in den nächsten Jahrhundertenfort und wurden erst im Jahre 1775 unter der Bei-hülfe mehrerer deutscher Baumeister in der Haupt-sache zu Ende geführt. Der Dom ist von der Sohlebis zur höchsten Spitze aus weissem Marmor aufgeführtund eines der schönsten gotischen Baudenkmälerder Erde. Blendend, Avie ein durchsichtiges Marmor-gebirge glänzt uns dieses Wundenverk im Sonnen-strahle entgegen, und feenhaft wie ein crystallener Palastschimmern die Umrisse mit ihren zierlichen Formen undreichen Ornamenten dann, AA r enn sie in hellen Nächtendas bleiche Licht des Mondes umspielt! Solche Bilderfindet man in der Regel nur in jenen Werken, dieder allzulebhaften Phantasie eines Märchendichtersüber die Wunder Indiens entsprossen sind.
Der Dom bedeckt ein Areal von 11700 Quadrat-metern, er ist 148 m lang, 88 m breit, 108 m hochund mit annährend 2000 Marmorstatuen von Heiligenund berühmten Männern, sowie mit schier unzähligenThürmclien geschmückt. Um sich von der gewaltigenGrösse dieses Bauwerkes einen Begriff zu machen,bedenke man, dass die Kirche nicht Avenigcr als40 000 Menschen Platz gewährt. Die innere Aus-stattung des Domes weist ebenfalls viel Bemerkens-Avertes auf, darunter die prächtigen Fenster, diezu den grössten und schönsten der Welt zählen,■einige gute Gemälde, die Grahmäler der Medici undund das Grab des hl. Karl Borromäus.
Gegen 25 Centesimi löste ich eine Karte zur Be-steigung des Hauptthurmes, der im Sommer von 5 Uhrmorgens bis 6 Uhr abends zugänglich ist. Ich stieg die 494Treppenstufen hinauf bis zur Höhe des oberstenThurmaufsatzes, der sich 68 m über der Kuppel