78
gesehenen Hindernisse zu Fall kommen und über dieniederige Einfassungsmauer in die grausige Tiefedes empörten Sees liinabstürzen. Ich führte also dasRad an der Hand, und versunken in die Betrachtungder dunklen Umrisse des schaurig-schönen Naturbildes,schritt ich langsam für mich hin. Gegen 11 I hrerreichte ich ein Haus, dessen Fenster erleuchtet■waren, und fand daselbst, es war eine englischePension, gastliche Aufnahme. Hunger und Durst,die sich infolge der Anstrengung und Aufregung desAbends eingestellt hatten, waren bald gestillt, undgegen Mitternacht lag ich in tiefem Schlafe.
Am nächsten Morgen erstrahlte die Sonne wiederumin ungetrübtem Glanze und nun bedauerte ich erstrecht, dass ich die Fahrt auf der hochromantischenStrasse von der .Beatenbucht bis hierher nicht aufheute verschoben hatte. Zurückfahren wollte ich nichtmehr, da die Naturschönheiten, die meiner heutewarteten, einen noch grösseren Reiz auf mich aus-iibten; aber an den Entschluss in Thun und diedamit verbundene Nachtfahrt habe ich noch oft mitMissmut gedacht.
Als ich mein Rad in Augenschein nahm, konnteich mich des Mitleids über den traurigen Zustand,in dem sich das Vehikel befand, nicht entwehren.Uber und über war dasselbe mit Schmutz und Kostbedeckt und schnell schritt ich dazu mein treues,gutes Rösslein von beiden gründlich zu säubern undin Stand zu setzen. Eine Stunde später war ich inInterlaken, dem Haupt- und Centralpunkte desBerner Oberlandes. Das Städtchen liegt 5(18 mhoch, hat 5400 Einwohner und besteht aus denOrtschaften Aarmiihle, Matten und Unterseen. DieLage von Interlaken, inmitten hoher Gebirgsketten,zwischen dem Tliuner- und Brienzersee, ist romantisch,