Druckschrift 
Von der Nordsee bis zum Mittelmeer : eine Ferienreise auf dem Rade ; Zugleich praktisches Reisehandbuch für Radfahrer
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

.v .

lA V* C ,1 tag.

40

Schritte zur Gartenwirtschaft, die am Wege vomSchloss zur Terrasse liegt, und verplauderten heiterund gemütlich ein Stündchen heim perlenden Weine.Der Mond stand hoch am Himmel, als wir aufhrachen.Gigantische Schatten werten die mächtigen Ruinen,gespensterhaft und vereinsamt hegt das Schloss imSilberglanze des Mondes, tiefe Stille herrscht ringsumher; alles ist hier dazu angethan, des MenschenHei'z mit Wehmut und Traurigkeit ob der Vergäng-lichkeit alles Irdischen und Schönen zu erfüllen.

An unserm Hotel angekommen, suchten wir sofortunsere Zimmer auf, denn nach den Strapazen desTages waren wir alle der Kühe bedürftig. Es gibtnichts unzuträglicheres für den Tourenfahrer, als über-mässiger Genuss geistiger Getränke und allzu spätesSchlafengehen. Früh ins Bett hinein und früh undfrisch heraus, nur so kommt man vorwärts und nurso kann der Radfahrer die Schönheiten, die sich ihmjeden Tag bieten, mit gesundem Geiste gemessenund würdigen. Die flüssigen Erfrischungen, die ich aufder Tour den Tag über zu mir nahm, bestandenhauptsächlich in Milch, und wo solche nicht erhältlichwar, in Limonade oder Cognac mit Wasser. Beiden Mahlzeiten und abends nach des Tages Mühund Last schadet ein Glas Bier oder eine Flascheguten Weines natürlich nicht, im Gegenteil man wirddadurch neu gestärkt und gekräftigt. Die Wirkungendes übermässigen Weingenusses lernte ich einmal vorungefähr acht Jahren auf einer Radtour an der Saarkeimen. Ich ging von dem Prinzip aus, dass derWein in kleinen Quantitäten nach und nach genossen,wie auf den Kranken, so auch auf den Radler kräf-tigend wirke. Als ich in dem bergigen Terrainzwischen Saar und Mosel ermüdete, trank ich einkleines Fläschchen iSaarwoin und fuhr darauf leichthin,