Aachen noch manches Überbleibsel. In dem schönenMünster werden die Gebeine des Weltbezwingers inkostbaren, goldnen Behältern aufbewahrt, Karl derGrosse verrichtete in diesem Gotteshause seine Gebete,während er in der Pfalz, dem jetzigen Kathause,seine Mussestunden verlebte und Pürsten und Edlenprunkvolle Gastmähler gab.
Im Westen ist der Blick durch den herrlichengrünen Stadtwald begrenzt, im Nordosten, auf derHöhe des Salvatorherges liegt die schöne, in reinromanischem Stile aufgeführte Salvatorkirche, gleichsamdas Symbol der Stadt. Im Norden streift unserAuge das kohlenreiche Wurmgebiet, im Osten er-blicken wir umfangreiche Eisenwerke von Weltruf,und im Süden wird der Ausblick durch dichte Laub-wälder abgeschlossen. Ein schönes Landschaftsbildnach allen Seiten, und doch drängen sich dem Be-schauer leicht wehmütige Gedanken heim Anblickedieses Häusermeeres auf. ÄVieviel Freude, wievielGlück, aber auch wieviel Trauer und wie manchesElend birgt sich dort unten in der Stadt unter denschwarz-grauen Schieferdächern! Kein Mensch weisses, Niemand vermag es zu ermessen.
Sinnend sitze ich dort oben, der Blick schweiftin die blaue Perne, meine Gedanken weilen im schönenSüden, durchstreifen den Schwarzwald in seiner ma-jestätischen Grösse, ziehen hinüber zu den schroffenFelswänden der Vogesen und zu den blumenreichenAlmen der schönen, der einzigen Schweiz. Eher dieschneeigen Bergriesen hinweg erblicke ich im GeisteItaliens sonnige Gefilde und das herrliche blaue Meer.Mit unwiderstehlicher Gewalt zieht es mich fort vonhier nach Süden, in das Land, wo Orangen undCitronen bliilm, zu den malerischen Gestaden desMittelländischen Meeres !