Trinkwasser.
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Von gypshaltigem Wasser glaubte man bisher, dass es eine schützende Deckevon Bleisulfat bilde, es verhält sich aber genau so wie anderes Wasser; die mass-gebenden Bestandtheile sind auch hier Sauerstoff und Kohlensäure. Basserie 1 ) findet,dass Wasser und alle Salzlösungen Blei mehr oder weniger angreifen, wenn essich im Kontakt mit anderen Metallen ^Kupfer, Messing, Eisen, Nickel) be-findet, eine Beobachtung, die P. Charles 2 ) u. a. bestätigt haben. Am stärksten,auch ohne Kontakt mit anderen Metallen, wenn nur Luft vorhanden ist, greifenreines Wasser, Nitrat- und Chloridlösungen Blei an. Bikarbonat und freie Kohlen-säure enthaltende Wässer wirken zwar anfänglich ebenfalls stark ein, die Wirkunghört aber wegen der sich bildenden, schützenden Schicht von Bleikarbonat baldauf; Zusatz von Kalk zu stark kohlensäurehaltigen Wässern soll sich nicht empfehlen,weil hierdurch der Bleiangriff erhöht werden soll 3 ). Die Untersuchungen vonStan. Rucifka 4 ) stehen zum Theil mit den vorstehenden im Widerspruch. Ein-fache Salz-Lösungen äussern ihre Wirkungen auf Blei iß der Weise, dass der Blei-angriff nicht von der Base, sondern von der Säure bedingt ist; Nitrate vergrössernden Bleiangriff, Chloride, Sulfate und Karbonate, deren Säuren also mit dem Bleiein unlösliches Salz bilden, vermindern ihn. Auch Nitrate im Gemisch mit denanderen Salzen erhöhen die bleilösende Wirkung, während ein Zusatz von Sulfatoder Chlorid zu Chlorid -j- Nitrat oder zu Sulfat -j- Nitrat die Lösung des Bleiesherabsetzen. Freie Kohlensäure und Karbonate hemmen den Bleiangriff, organischeStoffe erhöhen ihn nicht immer, wohl aber Luftzutritt. So kann Wasser mitviel organischen Stoffen auch viel freie Kohlensäure enthalten, welche in Ge-meinschaft mit dem Sauerstoff des Wassers die Lösung des Bleies bewirkt.Power 5 ) berichtet z.B. über Bleivergiftungen durch stark saures, aus Moorenstammendes Wasser.
An der Nordwestküste Deutschlands enthält nach des Verf.'s Untersuchungendas Grundwasser — wahrscheinlich infolge Verdunstung von Regenwasser in dembasenarmen Quarzsande (S. 1384) — mitunter freie Salpetersäure. Dass diesestark bleilösend wirkt, braucht kaum hervorgehoben zu werden 6 ).
Um die bleilösende Wirkung eines Wassers zu vermindern, hat man, wie bereitsbemerkt, bisher immer schon einen Zusatz von Kalksteinen angewendet, um dasWasser härter zu machen bezw. um die freie Kohlensäure zu binden. Dass auchvor allem der Zutritt von Luft in die Röhrenleitung zu verhindern ist, geht ausden Untersuchungen M. Müller's hervor, sowie aus dem Erfolg der diesbezüglichenAnordnungen gelegentlich des Dessauer Falles.
Die Kieselsäure scheint sehr schützend auf die Bleirohre zu wirken.Crocker, Olding und Tidy 7 ) schlagen vor, bleilösendes Wasser durch einGemisch von Calciumkarbonat und kieselsauren Verbindungen (ein Filter ausKalksteinen und Fliut) zu filtriren; Frankland s ) dagegen behauptet, dass er bei
') Gesundheits-Ingenienr 1900, 23, 286.
2 ) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- n. Genussmittel l'JOO. 4, 559.
8 ) Das dürfte aSer wohl mir der Fall sein, wenn überschüssiger Kalk zugesetzt wird.
') Archiv f. Hygiene 1901, 41, 23.
6 ) 28. Annual report of the Local Government Board 1893/94, 332.
") Vergl. euch f.. Licbrich in Zeitschr. für angew. Chem. 1898, 703, und ferner Tergast inZeitschrift f. Medicinalbeamte 1899, 6.
') Gesundheits-Ingenieur 1887, 10. 402.
e ) Chem. Centrbl. 1889, I., 815 u. 817.