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Die chemischen Verbindungen der Nahrungs- und Genussmittel.
Die gepulverten Samen wurden 12 Stunden lang unter wiederholtem Umrühren mit Schwefel-säurehaltigem Wasser ('20 g H 2 S0 4 in 1 1) behandelt, die überstehende Lösung filtrit, mit Kalkhydratbis zur alkalischen Reaktion versetzt, der gebildete Gype abfiltrirt, das Fittrat fast eingedampft und derRückstand mit 85 °/o~igem Weingeist behandelt. Oder der Samen wurde mit verdünnter Salzsäure aufgezogen,die Lösung mit Kalk neutralisirt, mit Quecksilberchlorid und Kalk vollständig gefällt; der Nieder-schlag nach Zusatz von etwas Baryt mit Schwefelwasserstoff zersetzt, der überschüssige Baryt durchKohlensäure ausgefällt, das Filtrat eingedampft und der Rückstand aus heissem Wasser oder Alkoholvon 80—85°/o wiederholt unikrystallisirt.
Das Vicin krystallisirt in facherartigen Büscheln feiner Nadeln, löst sich in108 Theilen Wasser von 22,5", ist wenig löslich in kaltem Weingeist, fast unlöslichin absolutem Alkohol, dagegen leicht löslich in vard. Kalilauge Kalk- und Baryt-wasser, weniger in Ammoniak. Die Elementarzusummensetzung des Vicins ist imMittel 38,5% C, 6,0% H, 17,2% N und 38,3% O.
Aus der salzsauren Lösung fallt Alkohol eine chlorwasserstoffsaure Verbindungnach der frühereu Formel (C ä8 H 61 N u 0 21 ) 4 11HC1, aus der schwefelsauren Lösungeine solche von (C 2S H 5l N u O äl ) 3 -411., SO, (nach der früheren Formel) krystallinisch aus.
Beim Kochen mit verd. Kalilauge oder besser mit verd. Schwefelsäure zerfälltdas Vicin in Zucker (Glukose oder Galaktose?) und Divicin QjrljNjOg mit33,24—33,84% C, 4,84—4,58% H, 38,86-38,45% N und 23,06—23,13% 0. Mangewinnt letzteres aus dem Divicinsulfat durch Zerlegen mit Kali und Umkrystallisirenaus Wasser in flachen Prismen. Es r.educirt Silberlösung und giebt gelöst mit Eisen-chlorid und etwas Ammoniak versetzt, eine tiefblaue Färbung. Beim Schmelzen mitKali geben Vicin wie Divicin Ammoniak und Cyankalium.
g) Konvicin CjoH^NjOg • H 2 0'); es scheidet sich aus den syrupartigenMutterlaugen von der Darstellung des Wicken-Vicins aus und lässt sich von letzteremtrennen durch Behandeln mit verd. Schwefelsäure, worin sich Vicin leicht und schnelllöst. Aus Saubohnen gewinnt man das Konvicin durch Ausziehen mit 80%-igemWeingeist; es krystallisirt, nachdem der Alkohol abdestillirt ist, in glänzendenBlättchen aus. Dasselbe ist sehr wenig löslich in Wasser und in Alkohol; es bleibtbeim Kochen mit Kalilauge unverändert, beim Schmelzen mit Kali wird Ammoniakaber kein Cyankalium gebildet, es ist in Salz- und Schwefelsäure unlöslich; beimKochen mit 25—30%-iger Salz- oder Schwefelsäure liefert es Alloxantin.
Durch Oxydation mit Salpetersäure geht Vicin C 8 H 15 N 3 0 8 in Allantoin C 4 N 4 0 2 , H 7Konvicin C l0 H 15 N 3 O 8 • H 2 0 in Alloxantin C s H 8 N 4 0 8 • 2H ä O über.
Hieraus erhellt die nahe Beziehung zwischen Vicin und Konvicin. Letzteres istwahrscheinlich ebenfalls ein Glukosid.
8. Ammoniak und Salpetersäure. Ausser den vorstehenden Stick-stoffverbinduugen kommen in den Pflanzen noch Ammoniak und Salpetersäurevor. Wir finden sie in vielen Pfanzen und Pflanzentheilen, in einigen sogar innicht unbedeutender Menge. In den reifen Samen kommt Salpetersäure nachFrühling und Grouven nicht vor; in den. grünen Pflanzen der Gramineen undLeguminosen ist sie bis zu 0,1 % enthalten.
Sehr bedeutend dagegen kann der Salpetersäuregehalt in den Rübensortenwerden. Sutter und Alwens fanden in Runkelrüben bis zu 3,49% Salpetersäure
J ) Für das Wicken-Konviein hat Ritthausen zuerst die Formel (' 1(1 H 14 K L ,0 7 • lt,0 angenommen;die nachträgliche Untersuchung des nochmals amkrystallisirten Konvicina führte aber zu der obigenFormel, so dass die Kc-nvicine der Saubohne und Wicke als gleich anzusehen sind.