Druckschrift 
1 (1829) Enthaltend die Rinden und ihre Parasiten aus der Ordnung der Flechten : in sechs Heften
Entstehung
Seite
100
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

V3

V

100 EINFUEHRUNG

La Condamine gedenkt einer Sage,nach welcher die Eingebornen die Wirksam-keit der China den Löwen verdankten, indemsie bemerkt hätten, dafs mit dem Fieber be-haftete Löwen durch das Fressen dieser Rin-den sich heilten.

Anton Bollus, ein genuesischer Kauf-mann, welcher 1649 in Peru lebte und Han-del mit der China trieb (q) , i'st ebenfalls derMeinung, dafs die Indianer die Heilkraft derChina schon vor der Ankunft der Europäergekannt hätten. Derselben Meinung ist auchArrot(r), und wie eben angeführt wurde,auch la Condamine, obschon Letztererversichert, dafs erzuPuerto Viego keinenEinwohner gefunden habe, dem die fieber-heilende Kraft der China bekannt gewesensey.

Anderer Meinung ist v. Humboldt, Ermuthmafst aus der geringen Neigung derIndianer zum Gebrauche der China, dafs dieSpanier die Entdeckung derselben nicht denIndianern zu verdanken hätten, und derselbenMeinung sey auch der königl. Aufseher derChinawälder, Don Vincente Olmedo zuLoxa, gewesen. Diese Ansicht hat um somehr für sich, da, nach v. H u m b o I d t s Ver-sicherungen, die Eingebornen des König-reichs Neu-Granada bei seiner Anwesenheitdie Heilkraft der China gar nicht kannten,und in Loxa auch keine Tradition herrsche,welche die Entdeckung der China den Ein-gebornen zuschrieb. Ferner stürben die Ein-wohner der heifsen Gebirgsthäler von Cata-mayo, Rio Calvas und Macara, wo dieWechselfieber so überaus gemein wären,lieber, als dafs sie China einnähmen, die sie

DER CHINA, etc.

zu der Klasse branderregender Gifte zählten.Sie heilten sich daselbst mit Limonen, mitder ölreichen und aromatischen Schale derkleinen grünen Zitrone, mit dem Aufgussevon Scoparia clulcis L. , und mit starkemKaffee. In Loxa schreibt man die Entdek-kung den Jesuiten zu. Diese hätten nachLandessitte beim Holzfällen durch das Kauender Rinde die verschiedenen Baumarten un-terschieden, und wären dabei durch diegrofse Bitterkeit der Rinde der Cinchona aufsie aufmerksam geworden. Diese Sage, meintHr. v. Humboldt, sey minder unwahr-scheinlich, als die Behauptung europäischerSchriftsteller, welche wie Ruiz und Pavondie Erfindung den Indianern zuschreiben.

5) Einführung der China in Europa.

Nicht weniger sicher als die Nachwei-sungen über die Entdeckung der China, sindauch die über ihr erstes Bekanntwerden inEuropa, indem es Einige den Jesuiten, An-dere der Gräfin delChinchon zuschreiben.Die Gemahlin des Vicekönigs von Peru, dieGräfin del Chinchon, soll nämlich an ei-nem dreitägigen Fieber krank gelegen haben,welches keinem Mittel gewichen wäre. Diefshabe der Corregidor von Loxa, Don JuanLopez de Cariizares, erfahren, und demVicekönige, seinem Beschützer, Chinarinde,nebst der schriftlichen Versicherung gesen-det, dafs er für die Heilung der Gräfin ein-stehe, wenn sie das Mittel gebrauche. DerCorregidor sey hierauf nach Lima selbstberufen worden und habe, nachdem er da-selbst mit glücklichem Erfolge an andern

(q) Morton, Exercitationcs de morbis unieersalibus aeutis.2 Vol. London. 1692. p. Hg.

(r) la Condamine a. a. 0. S. 232.