Druckschrift 
9/10 (1845)
Entstehung
Seite
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bracht. Diesem Briefe »ach sollte ich sterben, wie sie sagte.Doch ich schrieb auch nach Warschau; mein Brief, ichbin cs fest überzeugt, ist dort angckommen, und meinBruder wird überwacht seyn. Somit wird aller Wahr-scheinlichkeit nach der Thron erledigt."

Ein zweites Schauern, noch merklicher als das ersteMal, machte sich in dem Alkoven hörbar.

,,Sie ist offenbar da," sagte Heinrich zu sich selbst;sie horcht, sie wartet."

Karl hörte nichts.

,,Jch sterbe nun ohne männliche Erben," fuhrer fort. "

Dann hielt er inne: ein süßer Gedanke schien seinAntlitz zu erleuchten, und seine Hand auf die Schulterdes Königs von Navarra legend, sprach Karl:

,,Ach! erinnerst Du Dich, Henriot, erinnerst DuDich des armen kleinen Kindes, das ich Dir eines Abends,schlummernd und von einem Engel bewacht, gezeigthabe? Ach! Henriot, sie werden es mir tödten! , . . ."

,,OH, Sire!" rief Heinrich, die Augen von Thrä-nen befeuchtet,ich schwöre Euch vor Gott, daß ichTag und Nacht über seinem Leben wachen werde. Be-fehlt, mein König."

,.Jch danke, Henriot, ich danke," sprach der Königmit einem Erguffe, der seinem Charakter sehr ferne warund nur aus der Lage der Dinge hervorgehen konnte.,,Jch nehme Dein Wort an. Mache keinen Königaus ihm,... glücklicher Weise ist es nicht für denThron geboren ,.. sondern einen glückliche» Menschen. Ichhinterlasse ihm ein unabhängiges Vermögen; cS besitzeden Adel seiner Mutter, den des Herzens. Vielleichtwäre es besser für HaS Kind, wenn man es für dieKirche bestimmen würde; es dürfte weniger Furcht ein-stößen. Oh! mir däucht, ich würde, wenn nicht glück-licher, doch ruhiger sterben, hätte ich hier zu meinemTröste die Liebkosungen des Kleinen und das sanfte Ge-sicht der Mutter."