88
„Ja,.... er würbe Dir zum Beispiel erzählen, daß ihneine Frau, der er nichts zu verweigern wagt, um einJagdbuch gebeten hat, welches in seiner Bibliothek ver-steckt war; daß ein feitteS Gift auf jedes Blatt diesesBuches gegossen worden ist; daß das Gift für irgendJemand, ich weiß nicht für wen bestimmt, durch eineLaune des Zufalls oder durch eine Strafe des Himmelsauf eine andere Person gefallen ist, als auf diejenige,für welche es bestimmt war. Wenn Du indessen, inAbwesenheit von Nene, das Buch sehen willst, eS istdort in meinem Cabinet, und Du wirst von der Schriftdes Florentiners finden, daß dieses Buch, welches inseinen Blättern den Tod von noch zwanzig Personenenthält, von seiner Hand seiner Landsmännin gegebenwurde."
„Stille, Karl, ebenfalls stille," sprach Margarethe.
„Du stehst nun wohl ein, daß man glauben muß,ich sterbe an Magie."
„Aber das ist ungerecht, das ist schändlich! Gnade!Gnade! Ihr wißt wohl, daß er unschuldig ist."
„Ich weiß es, aber man muß ihn für schuldighalten. Erdulde den Tod Deines Geliebten; es ist dieswenig, um die Ehre des Hauses Frankreich zu retten.Ich erdulde den Tods, damit das Geheimniß mit mirsterbe!"
Margarethe beugte das Haupt, denn ste begriff, daßzur Rettung von La Mole bei dem König nichtsmehr zu machen war, und entfernte sich weinendund ohne auf etwas Anderes zu hoffen, als auf ihreeigenen Mittel.
Während dieser Zeit verlor Katharina, wie esKarl vorher gesehen batte, keine Minute, und sie schrieban den Staatsprocurator Laguesle einen Brief, von demdie Geschichte auch das geringste Wort aufbewahrt hat,einen Brief, der ein blutiges Licht auf diese ganze Be-gebenheit wirst.