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Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
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die Altartafcln u. s. w. nur allzusehr darthun; der strenge kirchliche Stylmuß auch hier wieder Besitz ergreifen und zu diesem Ende ist eine Reiheguter Muster unentbehrlich. Nur wolle man nicht zuviel mit Farbendruckund dergleichen kommen; lieber ernste, würdige Einfachheit, als solcherPrunk, zumal wo er die Nolle der Kunst spielen soll und will! End-lich möchte ich noch Eine Gattung von Gegenständen für die kirchlichenKunstsammlungen ganz besonders empfehlen: alte Siegel in Originalenund Abgüssen. In keiner anderen Weise kann man, wie mich die eigeneErfahrung gelehrt hat, mehr und geeigneteres Material zu archäologischenStudien aller Art, praktischen wie theoretischen, zusammcnbringcn und zwarmit einem kaum ncnncnswcrthen Kostcnauswandc. Vom 12. Jahrhundertab, in welchem die große Kunstpcriodc beginnt, kommen die Siegel allcr-wärtö so häufig vor, daß an Stylmustcrn jeder Art kein Mangel ist. Dadie Daten meistcnthcilS leicht fcstzustellcn sind, so kann man die vollstän-digste Chronologie auf eine einigermaßen reiche Sammlung gründen undzugleich, was vielleicht das Interessanteste ist, die künstlerischen Regungenin den verschiedenen Ländern und ihren Zusammenhang für jeden gegebenenZeitpunkt constatiren. Mit Hülfe von ein paar tausend Sicgclabdrückcnwird cs schon möglich, eine Geschichte der Architektur, der Sculptur, derEpigraphik, des Costüms durch das ganze Mittelalter hindurch in zurei-chend festen Umrissen darzustellcn; kurz für den Acsthctikcr bietet die Sphra-gistik noch eine bei weitem reichere Fundgrube, als für den Diplomatiker,der bis jetzt sie doch fast ausschließlich benutzt hat. Mit ihrer Hülfe, undnur mit ihrer Hülfe, wird sich endlich eine vollständige Genealogie dermittelalterlichen Kunstwerke aufstcllcn, alles Einzelne einer bestimmtenGruppe sich zutheilcn lassen. An diesen unscheinbaren Geräthschaften zeigtsich überdies auch so recht, wie frisch und lebendig der Kunsttrieb im Mit-telalter war, wie er jede Aufgabe in eben so passender, als eigcnthümlichcrArt zu lösen, allen Verhältnissen und Bedingungen sich anzubcqucmcn,auch im beschränktesten Raume einen überraschenden Ncichthum zu entfaltenwußte. Man sicht hier, wie aus der byzantinischen Starrheit sich ganzallmählig die lcbcnvolle Gothik entwickelt, wie in demselben Maaßc derarchitektonische Charakter überwiegend wird, bis mit dem Hcreinbrechen derRenaissance die ornamcntistischc Willkür und endlich die Tapezierer tonan-gebend werden. Alle Phasen des guten und des schlechten Geschmackeszeigen sich da gleichsam im Rcflcrc: auf der Einen Seite der feine Kunst-sinn jener Meister, die mit ihrem unvergleichlichen Takte die Gränzgcbictcder verschiedenen Kunstgattungen stets innc zu halten wußten und soforthcrauSfühltcn, daß ein heraldischer Adler ganz anders ausschen müsse,als ein Menagerie-Adler, eine Sicgclfigur ganz anders, als eine freistehende