Druckschrift 
Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

111

wic ein östcrmchischcr Baubcamtcr*) sie ncucrdings rubricirt hat. Dieselbensind Erstercs, sowohl ihrer Geschichte, als ihrem innersten Wesen nach!**)und wo sie thatsächlich aufgchört haben es zu sein, wird die Entartungsich allmählich solchergestalt bcmerklich machen, daß der Staat diese, immerschwerer werdende Bürde wie noch so manche andere gewiß gernewieder auf die Schultern der Kirche legt.

An die Klöster reihen sich die aus denselben hcrvorgcgangcnen Pricster-scminarien; bevor aber über dieselben das Erforderliche bemerkt wird, mö-gen noch einige Worte über ein Institut Platz greifen, welches gewisser-maßen in der Mitte zwischen beiden steht; ich meine die Jcsuitcn-häuscr. Als die Söhne des heiligen Ignatius zum Schutze der so hartbedrängten Kirche in die vordersten Schlachtrcihcn traten, befand sich diekirchliche Kunst im Zustande tiefen Verfalles. Der italienisch-französischeGeschmack, welcher damals der herrschende war, sagt den eifrigen Katho-liken um so mehr zu, als der Protestantismus sich von Norden her aus-breltete. Kein Wunder, daß unter solchen Verhältnissen an eine Neactionzu Gunsten der deutschen Kunst nicht gedacht wurde. Es kann diesin der That um so weniger Wunder nehmen, wenn man noch in Be-tracht zieht, daß der Orden seine ersten Wurzeln in Spanien und ItalienlCoimbra und Rom) schlug und die elastische Gelehrsamkeit zu seinenHauptmasten gehörte. Nichtsdestoweniger machte er, wie beispiclwcise dieJcsuitcnkirche zu Cöln und Coblenz zeigen, mehrfach den Versuch, auchden gothischcn Styl zu einer gewissen Geltung zu bringen. Man übersahaber, daß ein so geschlossenes System eine Accommodation nicht gestattet,daß man nothwendig für oder wider dasselbe sich erklären muß. Am Endegewann eine Art von Palaststyl die Oberhand, den eine gewisse Hinnei-gung zum Schaugcpränge charakterisirt; immer aber bleiben der hohe Ver-stand und die solide Technik anzucrkcnncn, welche sich in den Jesuitcnbau-tcn fast ohne Ausnahme zeigen. Es steht zu hoffen, daß diese Eigenschaf-ten künftig in den Dienst der ächtkirchlichcn Kunst treten werden, daß der

*> S. I. B. Kaura, Bauentwürfe im byzantinischen Styl. Auf neun Blätterngibt »ns hier Hr. Kanra Muster zuHumanitätsgcbäudcn", deren Styl allerdings demGeiste des Hiunanismuü entspricht. Für denjenigen, welcher sie etwa nrch nicht hinrei-chend nüchtern finde» sollte, sind noch Projccte im d o risch ein Styl beigegcben ! DieseBauentwürfe" zeigen so recht angenfällig, was cs mit dem Griechcnthum, dem Alt-und Ncugriechenthnm, der Herren Baubcamten auf sich hat, so wie endlich, auf welchemStandpunkte die oberste Baubehörde in Oesterreich noch steht, welche das Werk Kaura'sden verschiedenen Anstalten aufs angelegentlichste empfohlen hat.

**) Statt weiterer Ausführung des oben Gesagten sei hiermit auf die Schrift vonl>r. H. W. Bensen:Das Hospital im Mittelalter" (Rcgensb. Pustet 1853) verwiesen.