107
folge erlagen, jener Bi'ldungstricb gleichsam in den Wurzclstöckcn nochfvrtlebte.
Wie klein auch der Maßstab sein mag, nach welchem ein Kloster an-gelegt werden soll, immer wird der in jenen großartigen Monumenten derVergangenheit waltende Geist darin Ausdruck finden können, da ja dieGrundbedingungen dieselben sind. Hier bietet sich eine treffliche Gelegen-heit für den Architekten zur Bcthätigung seines Talentes dar; es handeltsich darum, das praktische Bcdürsniß mit der Idee in Einklang zu bringen,die verschiedenen Bcstandthcile des Baues eincstheils in ihrer Besonderheithervortrctcn zu lassen und andererseits doch auch wieder in zwangloser, ma-lerischer Gruppirung^ mit einander zu verbinden, daS zunächst Zusammen-gehörige, sich wechselswcise Bedingende, als solches darzustellen, überallRücksicht auf die im Verfolge etwa nöthig werdenden Erweiterungen undAnbauten zu nehmen, endlich Allem, bis auf die unscheinbarste Einzelheitherab, den Charakter der Würde, der Solidität, des Bleibenden zu verleihen.Manches von dem oben in dem Abschnitte über die Umgebungen der KircheGesagten kommt mehr oder weniger auch hier in Betracht und soll dar-auf nicht zurückgegangcn werden, da das Maaß der Anwendbarkeit sichleicht crgicbt.
In Betreff der allgemeinen Dispositionen macht sich vor Allem dieUnterscheidung geltend, ob das Kloster strenge in sich abgeschlossen ist oderob es zugleich einen nach Außen greifenden Beruf, wie z. B. Krankenpflegeund Unterricht, zu erfüllen hat. Unter allen Umständen müssen die Dispo-sitionen den traditionellen Regeln des betreffenden Ordens sich möglichstfügen und die Kirche sich vorzugsweise geltend machen; in ihr hat derganze Organismus, so zu sagen, seinen Herzschlag. Chorschranken, Lettnerund, bei Fraucnklöstcrn wenigstens, eine abgeschlossene Loge sind hier uoth-wcndig erfordert. Diese Loge war meist im Westen, gegenüber dem Haupt-altarc' angebracht, wo jetzt gewöhnlich die Orgel sich befindet. Daß derKreuzgang in unmittelbare, wo möglich doppelte Verbindung mit derKirche zu bringen ist, ergibt sich schon daraus, daß derselbe nicht bloS zur
*> Es sci hiermit in Betreff des Weitere» auf das von Albert Lcnoir, im Aufträgeder französischen Regierung unternommene Werk: Xrcluiocturi: mnnasligue (Paris 1852,4. 403 S.l hiugewicscn, von welchem indeß bis jetzt nur der erste, archäologische Theilerschienen ist. Der Tcrt ist durch eine große Zahl in denselben eingedruckter Holzschnitteerläutert. I» dem von Viollet-Ue-Nuo unternommenen „Mctionnairo ralsannö äe I'Xrcln-tocturo lrancaiso ilu Xl. au XVI. swclo (Paris, li. Itancol, wovon bis jetzt der erste, biszu dem Worte „Xroncke" gehende Band erschienen ist, findet sich unter „Xrcliitecture mv-nastlljuo" eine sehr gediegene und anziehende, mit vielen Abbildungen ausgcstattctc Ab-handlung über unser» Gegenstand.