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stoßen, wenn die arme, sündige, vor den Richtcrstuhl des lebendigen Gottesgerufene Kreatur unter dem Hermeline durchblickte, oder wenn man durchirgend einen Spruch oder eine symbolische Darstellung sich an die Barm-herzigkeit dieses Richters wenden wollte.
Die Vergleichung mit den mittelalterlichen Kunstwerken der Art wirdimmer schwieriger, da die Vcrglcichungsstückc immer seltener werden. DasGebot der Gradlinigkeit duldet nun einmal nicht, daß irgendwo in derKirche irgend etwas vorspringt und die Symmetrie stört; man erachtet esfür einen groben Verstoß gegen die obersten Principicn der Aesthctik, wennder Fußboden ober die Wand an einer Stelle anders ausschcn, als an derandern. Mit dieser Anschauungsweise hat dann noch die Habsucht einenBund geschlossen. Die großen Steinplatten lassen sich so gut zu Thür-schwcllen, Küchcuhecrdcn, die Särge zu Trögen und Rcgcnbchältcrn be-nutzen; etwas ganz besonders Verführerisches aber haben die Grabplattenaus Kupfer und Messing, da sie so gut wie baares Geld sind. Das Jahr-hundert der Aufklärung stößt sich natürlich nicht daran, daß die Patrone,die Wohlthätcr, vielleicht die Erbauer der Kirche aus diesen Denkmälernzu uns rede», daß sie durch fromme darauf gesetzte Sprüche unser Anden-ken und Gebet erflehen, daß Stiftungen, Seelenmessen, feierlich gewähr-leistete Verpflichtungen damit in Verbindung stehen — man dreht das,etwa aus dem Steine noch zurückbleibcnde Bilbniß oder die Inschrift nureben nach unten, und die Profanation ist gesühnt, vergessen, kein Hahnkräht mehr darnach!
Ebenso wenig läßt man sich die historische und künstlerische Bedeutungderselben zu Herzen gehen, außer etwa in so weit, daß man sic an Händ-ler und Museen zu bringen sucht, weil diese am meisten dafür bezahlen.Während des 13. und 14. Jahrhunderts bildete die Verfertigung vonmessingenen Grabplatten einen eignen Kunstzwcig; besonders im nordwest-lichen Europa erglänzten alle Kirchen von solchen Meisterstücken der Gieß-,Gravir- und Ciselirkunst, welche letztere zur Zeit so gut wie verschwundenist. Seit einem halben Jahrhunderte sind diese Kirchen geradezu wieKupferminen crploitirt worden; das Meiste, was man so gewann, wardcingcschmolzcn; nur wo, wie z. B. in Belgien, namentlich in Flandern*),die Engländer ein wachsames Auge darauf hielten und zur Hand waren,wandcrte die Beute über den Canal in die Kabinette der Liebhaber, inwelchen sie noch immer — eine Schmach für unsere Nation! — zu sehen
*) Vgl. die treffliche kleine Schrift von Hye: kiotico sur los «lollos lumuloires äocuivro cisoloos ot grovoos i>or los orlislos lloivonäs on ^nzloterrc. llrugos 1850.