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solche Naturen wird sich auf dem angedeutctcn Wege ein entsprechenderWirkungskreis ergeben und damit auch die Kunst wieder in nähere Bezie-hung zum Handwerke treten, was ihre Gesundheit wesentlich bedingt. Em-pfangend und gebend wird solchergestalt das Volk der ächten Kunst in sei-ner Mitte wieder eine Stätte bereiten und, wie in allen wahrhaft klassischenPerioden, dieselbe seines innersten Lebens thcilhaftig machen, während dieKunst hinwiederum seine Vorstellungen läutert und verklärt. Wenn manan den Wänden der Bürger- und selbst der Bauerstubcn umher sicht unddie elenden, meist frivolen Lithographien gewahrt, womit die Colportage,oder die wässerig-eleganten Nictenblätter, womit die Kunstvcrcinc das Landhcimsuchcn, so wird man bei einigem Nachdenken sich nicht verhehlen kön-nen, wie dringend es nvth thut, daß wieder eine andere Kost bereitet wird,um das ästhetische Bcdürfniß des Volkes zu befriedigen. Die schlechtenBilder wirken kaum weniger auflöscnd und verderblich, als die schlechtenSchriften; insofern sind erstere sogar noch gefährlicher, als sie sich dem Augeunausgesetzt darbictcn und unmcrklich von Minute zu Minute die Phan-tasie untergraben und vergiften. Der in Düsseldorf bestehende Bildcrvcreinhat auf diesem Gebiete sich bereits ein hohes Verdienst erworben; cs wäreindeß zu wünschen, daß er weiter greifen könnte, oder daß seine Bestrebun-gen von anderswoher ergänzt würden. So sollte man z. B. auch Bildervon größerem Umfange, welche sich zu Zimmcrvcrzicrungcn eignen, zu ver-breiten suchen und bei deren Auswahl mehr auf kecke Kraft als auf ein-schmeichelnde Glätte sehen. Die wahrhaft volksthümlichen Zeichnungen einesM. Schön, Dürer, Cranach, Holbein, Bchaim, insbesondere die körnigenHolzschnitte dieser und anderer ihnen verwandter Meister würden sichzu Ausgangspunkten vorzugsweise eignen, wie man denn überhaupt dieWiederauflage solcher Werke und ihre Vervielfältigung sich sollte angelegensein lassen.*) DaS noch unverdorbene Volk bedarf einfacher, derberNahrung, wo möglich gewürzt mit dein Salze des Humors; was man ihm
*> Als Muster kann in dieser Hinsicht das von Hugo Bürkner neu herausgegebeneHolbein'sche Alte Testament mit einer Einleitung von D. F. Sotzmann (Leipzig. G. Wi-gand 1850) empfohlen werden, ganz besonders aber das Prachtwcrk von Rudolph Weigel:,,Holzschnitte berühmter Meister" lLeipzig 1851—1854, im Verlag des Herausgebers),welches in seiner Art einzig dasteht und eine wahre Bildungsschule für Künstler wie fürLiebhaber ist. Die Copien der so ausgezeichnet schönen Bilder lassen kaum etwas zuwünschen übrig. Man sicht hier so recht, wie geringer Mittel ein achter Künstler be-darf. Heutzutage glaubt man die Schönheit durch die Technik erzwingen zu können; derErfolg ist aber dnrchgängig, daß, je höher man letztere steigert, die Schönheit um somehr schwindet. Jede Technik hat ihre natürlichen Gränzcn, deren Uebcrschreiten die Kunstsofort in Künstelei ausarten und verdorren macht: man soll auf der Violine nicht Flötespielen wollen. ,